Der Zweite Weltkrieg ![]()
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Seit 1942 war auch Kiel mit seinen Marinestützpunkten, den Schleusenanlagen und Werften Ziel alliierter Luftangriffe. Es gab 633 Luftalarme und es wurden 90 Bombenangriffe auf Kiel geflogen, wobei 2.515 Menschen den Tod fanden und 36.000 Wohnungen zerstört wurden. In Bezug auf den Stadtteil Holtenau ist neben den Schleusenanlagen, der Prinz-Heinrich-Brücke über den Kanal und dem Kanal selbst nicht zuletzt auch der Flugplatz Holtenau ein wichtiges Ziel gewesen. Trotzdem wurde in Holtenau mit 80 zerstörten Wohnungen -- wie im gesamten Kieler Nordwesten -- prozentual weitaus weniger Wohnraum vernichtet als im Kieler Durchschnitt.
In der Schwester-Therese-Straße befand sich seit 1939 ein Luftschutzbunker, der nach Kriegsende gesprengt wurde.
Kiel war im Dritten Reich als "Luftschutzort erster Ordnung" gleich nach Kriegsbeginn systematisch auf einen Luftkrieg vorbereitet worden. So waren bis 1944 die folgenden Schutzbauten fertiggestellt:
Diese Bunker sollten sollten insgesamt 34.000 Personen Schutz
bieten, nahmen
dann aber in der Realität des Krieges weitaus mehr Menschen auf.
Den
Schutz vor Luftangriffen konnte die Luftwaffe nur bis in das Jahr 1941
weitgehend
sichern, danach blieb zum Schutz nur noch bodengestützte Flak. Die
Flakbatterien im
Raum Kiel
wurden vom Flak-Gruppenkommando (FlaGruKo) mit Sitz auf dem Gelände des
ehemaligen
Forts Herwarth bei Dreilinden (hier befindet sich heutzutage die
Pyrotechnische
Fabrik!)
nordwestlich von Pries befehligt. Es handelte sich insgesamt um etwa 36
Batterien mit über 140 Geschützen schweren Flakkalibers. Die Flakbatterie Holtenau befand sich am Jägersberg.
Seit 1943 wurde auch Kiel verstärkt Ziel alliierter Bombardements, während es im gesamten Jahr 1942 nur 5 Angriffe auf Kiel gab. Neben der Zerstörung von Werften, Militärstützpunkten, Häfen und Kanalanlagen gingen die Alliierten ab 1943 verstärkt zu Flächenbombardements der Stadtzentren über in dem Versuch, die Zivilbevölkerung zu demoralisieren. Ab 1944 machte sich zunehmende Knappheit bemerkbar und die Flak durfte nicht mehr auf Einzelmaschinen schießen, gleichzeitig machte sich die Materialüberlegenheit und -qualität amerikanischen Bomber immer mehr bemerkbar, so daß Kiel in den letzten beiden Kriegsjahren im Grunde schutzlos blieb.(Vgl.: Jensen [1989], S. 8. )
Die Innenstadt wurde am 13. Dezember schwer getroffen, und von nun an verwüsteten die alliierten Bomberverbände ganze Stadtviertel im Verlauf weniger Stunden; in den letzten Kriegsmonaten kulminierte das Zerstörungswerk in pausenlosen Anflügen unter Verwendung schwerster Bomben.(Jensen [1989], S. 9.)
Friedrich beschreibt in seinem Buch "Der Brand" sehr detailliert die Entwicklung des strategischen Bombenkrieges weg von der Vernichtung der deutschen Kriegsproduktion hin zur Demoralisierung der Zivilbevölkerung durch gezielte Vernichtung der Wohnviertel, das sogenannte "moral bombing". Fehlten den Alliierten in den ersten Kriegsjahren noch die Möglichkeit, wirklich gezielte Luftangriffe auf militärisch interessante Ziele zu fliegen, so hatten sich als diese Fähigkeit schließlich vorhanden war, die Ziele von den militärischen hin zu den zivilen verschoben. (Vgl.: Friedrich [2002], S. 63ff.)
| Abb.: Der
gesprengte
Wendenburgbunker. |
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Ich kann mich noch gut an die Erzählungen meiner Großmutter darüber erinnern wie sie ihre angezogenen vier Töchter nachts aus dem Bett reißen mußte um bei Fliegeralarm noch rechtzeitig den "Wendenburg-Bunker" in der heutigen Schwester-Therese-Straße zu erreichen. Geht man heute durch den Ort, scheint kaum noch etwas auf die damalige Zeit hinzudeuten, denn auch der besagte Bunker wurde 1945 von den Alliierten gesprengt und seine Reste 1960 weggeräumt - es sei denn, man kennt noch das Holtenau der Vorkriegszeit. Der Krieg scheint auf den ersten Block keine Spuren hinterlassen zu haben.
Militärische Einrichtungen in Holtenau während des Zweiten Weltkrieges:
Es waren nicht die Zerstörungen durch Bomben, die das Gesicht Holtenaus im Zweiten Weltkrieg veränderten, sondern die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, für die nach Kriegsende neuer Wohnraum geschaffen werden mußte. So entstanden ganze neue Wohngebiete und viele der Lücken in der Holtenauer Bebauung wurden geschlossen.
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Abb.: Bei
Kriegsende war die Kieler Förde mit hunderten von Wracks
übersäht und ein gefährliches Fahrwasser. Unter anderen
lag hier
das Wrack des am 9. April 1945 auf dem Trockendock durch Luftangriff
schwer
beschädigten schweren Kreuzers Admiral Hipper, der dann am 2. Mai
1945
gesprengt und im darauf folgenden Jahr bei Heikendorf abgewrackt wurde.
Die
nicht voll einsatzbereite Hipper hatte im Januar 1945 1.700
Flüchtlinge
aus Gotenhafen nach Westen gebracht.
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In den letzten Kriegswochen wurden die Kämpfe in Norddeutschland seitens der Briten mit unverminderter Härte ausgetragen obwohl sich die Wehrmacht bereits in völliger Auflösung befand. Den Briten ging es in Norddeutschland vor allem darum, ein Vordringen der Roten Armee bis nach Schleswig-Holstein und Dänemark - und damit möglicherweise bis an die Nordsee - zu verhindern. Die Rote Armee hatte am 2. Mai Rostock besetzt. (Vgl.: Piening [1995], S. 31f. ).
Nachdem er nach Hitlers Selbstmord als Oberbefehlshaber eingesetzt worden war, gab Großadmiral Dönitz den Befehl, nur dann noch gegen die Briten und Amerikaner zu kämpfen, wenn diese die Wehrmacht daran hindern, ihrerseits gegen die Rote Armee vorzugehen. Ziel der Wehrmacht sei es nun, daß Tor zum Norden so lange wie möglich offen zu halten, um so vielen Menschen wie möglich die Flucht vor der Roten Armee zu ermöglichen.(Vgl.: Piening [1995], S. 21.)
Holtenau und der Kaiser-Wilhelm-Kanal rücken gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aus der oben beschriebene Konstellation in den letzten Kriegstagen unerwartet wieder in den Mittelpunkt des Geschehens. Während des Bombenkrieges gegen Kiel war Holtenau trotz Schleusen, Hochbrücke und Flugplatz nur ein Ziel sekundärer Bedeutung. Die Hauptlast der Bombardements mußten das Ostufer mit den Werftanlagen, das historische Zentrum und die Wohnviertel der Industriearbeiter tragen.
Weiter mit: Das Kriegsende in Holtenau.
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