Der I. Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges wurden in Holtenau viele Soldaten einquartiert, während im Laufe des Krieges das lebendige Gemeindeleben immer mehr zum Erliegen kam. Die Seeflugstation wurde immer stärker ausgebaut und viele bekannte Seeflieger wie Gunther Plüschow verbrachten hier einen Teil ihrer Dienstzeit. Die Prinz-Heinrich-Brücke über den Kaiser-Wilhelm-Kanal wurde durch Stacheldrahtverhaue und Maschinengewehrnester gegen feindliche Kommandounternehmen geschützt. Auch auf den Schleusen wurden Verteidigungsanlagen installiert und auf dem Leuchtturmhügel gab es wohl einen Flakscheinwerfer.

Mit dem Beginn des Krieges traten die so genannten "Rayongesetze" in Kraft, so daß Teile des Waldes Voßbrook gefällt werden mußten, um für das Fort Holtenau ein freies Schußfeld zu bekommen.

Auch die Holtenauer wurden von der sich immer mehr zuspitzenden Ernährungslage betroffen, das Leben immer mehr durch die Beschaffung von Nahrung geprägt. Aufgrund fehlenden Heizmaterials mußte in den Wintermonaten der Schulunterricht teilweise ausfallen. Das gesellschaftliche Leben litt unter der Einquartierung von Militär, die alle Holtenauer Gaststätten betraf. So mußten auch die Holtenauer Turner, die bis dahin noch keine eigene Turnhalle besaßen, ihre Aktivitäten einstellen.

Die während des Krieges herrschende Atmosphäre wird auch in einem Brief deutlich, den ein ehemaliger Lehrling der Holtenauer Baufirma Ivens im Jahre 1915 schrieb:

Anfang Oktober war ich in Kiel und stattete bei dieser Gelegenheit auch dem Dörfchen Holtenau einen Besuch ab. Es war sehr verödet, kein Baum, kein Strauch, nur überall Militär. Auch meine Lehrstätte wollte ich noch einmal sehen, aber die lag tot und verlassen da. Man hörte nicht mehr das Summen der Maschinen, auf dem Zimmerplatz wucherte das Gras, und statt der Zimmerleute sah ich nur Soldaten.

Ein anderer Zeitgenosse berichtet von ähnlichen Zuständen:

Holtenau, 6.8.1914. Meine Lieben! Ich bin hier in Holtenau gut angekommen. Vorläufig bleiben wir hier. Alles ist mit Truppen überfüllt. Jeder verpflegt sich selbst, wir bekommen gut und genug. Ich liege am Kanal und sehe allen Schiffen nach, die passieren, etwas interessanter. Küsse meine Lieblinge und sei auch herzhaft geküßt von Männe.

Für die im Krieg Gefallenen wurde nach Kriegsende auf dem Friedhof Holtenau ein Ehrenmal angelegt.

© Bert Morio 2011 [Home] - [Index]