Die SEVERA

Trotz der anders lautenden Bestimmungen des Versailler Vertrages versuchten die Deutschen, den technologischen Anschluß an die Entwicklung in der militärischen Luftfahrt zu halten und eine möglichst große Zahl zukünftiger Militärpiloten zu schulen. Dafür bedienten sie sich verschiedener Tarnorganisationen wie auch der SEVERA (Seeflugzeug-Versuchs-Abteilung). Während des Dritten Reiches wurden von Holtenau auch Spionageflüge nach Polen durchgeführt.

Die Stützpunkte der SEVERA in Holtenau und Norderney hatten jeweils einen militärischen und einen technischen Leiter, mehrere Flugzeugführer und Beobachter sowie eigenes Monteur- und Werkstattpersonal. Die Flugzeuge wurden teilweise vom Reichsverkehrsministerium zur Verfügung gestellt.

Die Firma Siemens beschäftigte sich seit 1929 unter anderem auch auf dem Flugplatz Holtenau mit der automatischen Steuerung von Flugzeugen. Bei den notwendigen Erprobungen und Justierungen gingen die beteiligten Techniker und Ingenieure auch hohe persönliche Risiken ein, da sie in den Versuchsflugzeugen mitflogen, was der damalige Ingenieur Eduard Fischel später so beschrieb:

“... Herr Jakobsen, der Entwicklungsingenieur der Firma Boykow, lud mich zu einem Justierflug ein und ich nahm begeistert an. Als wir 300 – 400 m Höhe erreicht hatten, schaltete er die Automatik ein. Sehr bald bemerkte ich ein leichtes Ziehen des Flugzeuges. Es begann zu steigen, wobei seine Geschwindigkeit allmählich abnahm, was bereits durch die Änderung des Motorengeräusches bemerkbar wurde. Die Steuerung reagierte entsprechend und drückte die Flugzeugnase nach unten, wodurch die Geschwindigkeit sich wieder merklich erhöhte und vom Motor durch entsprechendes Aufheulen quittiert wurde. Wieder reagierte die Steuerung, stoppte die Abwärtsbewegung und leitete den umgekehrten Vorgang ein. Dieser Rhythmus wiederholte sich regelmäßig, wobei wir eine Höhendifferenz von etwa 150 m und eine Geschwindigkeitsspanne von etwa 50 km/h durchliefen. Der niedrigste Wert der Geschwindigkeit lag nur wenig über jener Mindestgeschwindigkeit, die zur Erhaltung der Flugfähigkeit notwendig war. ... Auf der Flugstation in Holtenau hatte man unser Versuchsflugzeug bald ’das besoffene Huhn’ getauft, da es wie ein solches durch den Luftraum zu torkeln schien.”

Mit Flugzeugen der SEVERA testete beispielsweise die Torpedoversuchsanstalt in Eckernförde in den 1920er Jahren den Abwurf von Torpedos von Flugzeugen.

Abb.: Piloten der SEVERA.

Abb.: Schleppflugzeug zur Zieldarstellung.

Abb: Theo Osterkamp und Erhard Milch 1934.

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