Die Anfänge
Die erste “echte” Schule auf dem Gebiet des Gutes Seekamp
wurde 1706 in Pries gegründet. Die Prüfungen der Schulmeister wurden
damals durch den Pastor der Kirchengemeinde Dänischenhagen
durchgeführt, zu der auch Holtenau gehörte. Dabei wurden neben den
Fähigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen vor allem die
Bibelkenntnisse geprüft. Gleichzeitig übernahm der Pastor die
Schulaufsicht.
Die Schulpflicht hatte ihren Vorläufer in der Konfirmation,
die nach der Reformation eingeführt wurde. Durch sie waren alle 15 und
16jährigen Dorfkinder dazu angehalten, den Katechismus auswendig zu
lernen. Der Unterricht wurde demzufolge durch den Pastor durchgeführt.
Durch einen Synodalbeschluß von 1711 wurde die Schulpflicht eingeführt:
mit einem Unterrichtstag pro Woche – auch im Sommer. Bevor die
Holtenauer Kinder die Schule in Pries besuchen konnten gab es seit
ungefähr 1650 die Möglichkeit, in Dänischenhagen am Unterricht
teilzunehmen.
Wie bereits oben angedeutet, handelte es sich wohl um einen
eher unregelmäßigen Katechismus-Unterricht. Dabei darf man natürlich
auch nicht die große Entfernung von Holtenau nach Dänischenhagen
unberücksichtigt lassen. Im Dänischenhagener Kirchenbuch wird 1651 der
Schulmeister Johannes Büller und 1698 ein Schulmeister namens Engers
erwähnt. Der Schulbesuch der Holtenauer Kinder war aufgrund der Hoftage
schwierig (siehe Leibeigenschaft)
und der Unterricht trug wie auch in anderen Dorfschulen kaum
Früchte.
Im Jahre 1741 bekamen die Holtenauer mit Johann Mähl (oder Möhl) ihren
ersten eigenen "Schulmeister". Dieser war von Beruf Schneider und vom
Status ein “Unfreier”, stand also unter Leibeigenschaft (siehe "Das Leibeigenendorf Holtenau"). Der
Schulunterricht fand in der einen Hälfte einer Kate, die sich in der
Holtenauer Dorfstraße befand statt, d. h. in der heutigen
Richthofenstraße an Stelle des Gebäudes Nummer 27, der alten
Misfeld’schen Kate (siehe Abb. 1), das im Zweiten
Weltkrieg
zerstört wurde. Dieses Grundstück wurde 1943 durch den Milchhändler
Seemann erworben.
Diese Kate diente dem Holtenauer Schulmeister – wie es zu
damaliger Zeit üblich war – gleichzeitig als Wohnung und Werkstatt.
Neben dieser "Dienstwohnung" standen dem Schulmeister ein Lohn von 7
Reichstalern, eine Tonne Roggen und freie Weide für eine Kuh im
Wittenbrook zu. Da all dieses zum Lebensunterhalt nicht ausreichte,
mußte er einen Teil seines Lebensunterhaltes durch den Bau von Backöfen
bestreiten.
Der erste Holtenauer Schulmeister unterrichtete über vierzig
Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1784. Was aus der Witwe des ersten
Holtenauer Schulmeisters geworden ist, ist nicht verzeichnet. Es waren
harte Zeiten. Möhls Nachfolger, der Schulmeister Bendix Sievers,
ebenfalls Schneider von Beruf und aus Preetz kommend, wurde ebenfalls
vom damaligen Pastor Panitz examiniert und als fähig befunden. Das mag
ein Zufall gewesen sein, oder aber uns einiges über die damaligen
Schneider sagen. Wie prekär die materielle Situation für diese ersten
Holtenauer Schulmeister gewesen sein muß, wird beispielsweise daran
deutlich, das Sievers im Jahre 1790 gezwungen war, die andere Hälfte
der Schulkate auf eigene Kosten hinzu zu mieten, da sich die Zahl der
Schüler inzwischen so stark erhöht hatte. Weitere vier Jahre später
ging Schulmeister Sievers nach Pries, weil er
dort besser bezahlt wurde.
Die Holtenauer Schule nach der Aufhebung der Leibeigenschaft
Mit der Aufhebung der
Leibeigenschaft im Jahre 1791 ging auch die bisher gutseigene Schulkate
in den Besitz der Holtenauer über. Obwohl die Einwohnerzahl Holtenaus
seit einem halben Jahrhundert nahezu unverändert geblieben war, hatte
sich die Zahl der Holtenauer Schüler bis zum Beginn des 19.
Jahrhunderts so stark erhöht, daß man sich nach einem größeren
Schulgebäude umsehen mußte. Im Jahre 1818 wurde schließlich dem Hufner
Röpsdorf Bauland für ein neues Schulgebäude abgekauft. Die
Gutsverwaltung auf Seekamp stellte
unentgeltlich Bauholz zur Verfügung und der Bau für 50 bis 60 Schüler
konnte ein Jahr später in der verlängerten Achse der heutigen
Kastanienallee, d. h. an ihrem heutigen Standort, fertiggestellt
werden. Zur neuen Schule gehörten auch eine Lehrerwohnung und
Räumlichkeiten für den der Schule angeschlossenen landwirtschaftlichen
Betrieb, zu dem 3 ha Land im Gebiet am heutigen Hochbrückendamm
gehörten.
Im Jahre 1837 gab es bereits
107 Schulkinder, so daß das Schulgebäude erneut vergrößert und bei
dieser Gelegenheit auch restauriert werden mußte. Dieses neue
Schulgebäude wurde 1874 durch ein Feuer zerstört, so daß der
Schulunterricht auf Initiative des Lehrers Paul Wulff zwischenzeitlich
im Saal von " Schmidt’s Gasthof"
(siehe Abb. 2), welcher sich an
der Stelle des heutigen Restaurants " Waffenschmiede" am heutigen
Friedrich-Voß-Ufer befand, stattfinden mußte. Im Jahr 1876 wurde dann
das Schulhaus samt Wirtschafts- und Latrinengebäude neu aufgebaut.
Die Holtenauer Schule, die 1837 gerade einmal 107 Schüler hatte, blieb
noch bis in das Jahr 1890 einklassig, dann entwickelten sich die
Schülerzahlen aufgrund des durch den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals
bedingten Bevölkerungswachstums kontinuierlich in die Höhe. Der erste
Gottesdienst der jungen Holtenauer Kirchengemeinde
wurde am 4. August 1895 in der Holtenauer Schule abgehalten. Im Jahre
1899 waren es bereits 258 Schulkinder und in diesem Jahr wurde auch die
Schule am Schusterkrug als “Strandschule” errichtet, anfangs mit zwei
Klassen und 140 Schülern, doch bereits im Jahre 1902 mußte die
Strandschule um zwei Klassen erweitert werden. In diesem Jahr gingen in
die 242 Kinder in die Holtenauer Schule, 1904 waren es bereits 312
Schulkinder. Mit dem Ausbau der dortigen Marinesiedlungen kamen 1917
zwei weitere Klassen hinzu. 1926 wurde die Strandschule der Volksschule
Pries-Friedrichsort eingegliedert. Seit 1948 wird sie “Schule
Schusterkrug” genannt.
Im Jahre 1907 mußten die Holtenauer ihre Schule erneut vergrößern und
daher wurde an das bisherige Schulhaus noch ein Klassenhaus angebaut.
Seit 1908 gab es daher eine Schule mit 5 Klassenräumen und 5 Lehren,
die in 6 Schulklassen 365 Kinder unterrichten mußten. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Schule im Jahre 1913
wiederum vergrößert, so daß 8 Klassen mit insgesamt 450 Schulkindern
unterrichtet werden konnten.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Mittelbau errichtet und im Jahre
1928 die alte Turnhalle in der Richthofenstraße gebaut. Noch vorhanden
ist der alte Teil der Schule, in dem sich heute das Rektorat befindet.
Die Schule im Zweiten Weltkrieg
In den Jahren 1942-45 war die Holtenauer Schule weitgehend geschlossen,
da auch viele Holtenauer Kinder im Rahmen der Kinderlandverschickung
auf das Land oder in andere nicht durch Bombenangriffe bedrohte Gebiete
evakuiert worden waren. Im April 1945 wurde die Schule schließlich ganz
geschlossen. Während des Krieges standen auf dem Schulhof
Wehrmachtsbaracken. Schon 1938 wurde die Holtenauer Turnhalle für die
Einlagerung von Getreidevorräten zweckentfremdet und zu Kriegsbeginn
wurde hier ein Verpflegungslager der Kriegsmarine eingerichtet, später
wurde wieder Getreide eingelagert.
Die Nachkriegszeit
Auch mehrere Klassenräume der Holtenauer Schule wurden mit Heimatvertriebenen belegt, so daß bei
Unterrichtsbeginn am 1. September 1945 nur in vier Klassenräumen
unterrichtet werden konnte. Aufgrund der fehlenden Räumlichkeiten
und der stark gewachsenen Schülerzahl mußten die 8 Klassen im
Schichtbetrieb in 4 freien Räumen unterrichtet werden.
Die Nachkriegszeit begann in der Schule Holtenau mit 305 Schülern in
vier Mädchen- und vier Jungengrundschulklassen, doch dieses Angebot
reichte aufgrund der vielen hinzu kommenden Flüchtlingskinder nicht
aus, so daß ein Teil der inzwischen auf über 800 angewachsene Zahl von
Schülern auch in einer sich auf dem Schulhof befindlichen
Wehrmachtsbaracke unterrichtet werden mußte. An sich schon eine recht
wackelige Konstruktion wurde die Wehrmachtsbaracke mit einem riesigen
Kanonenofen beheizt, dessen Wärme sich jedoch sehr ungleichmäßig im
Raum verteilte: Saßen die Schüler um den Ofen herum bei 30 Grad im
Hemd, so mußten die an den nicht isolierten Außenwänden sitzenden
Schüler ihre Wintermäntel anbehalten.
Die Einwohnerzahl, die kurz nach Kriegsende aufgrund der Flüchtlinge
einen Höchststand erreicht hatte um dann wieder zu sinken, stieg
kontinuierlich an. Innerhalb weniger Jahre verdreifachte sich die
Schülerzahl aufgrund der großen Zahl neuer Einwohner um dann bis 1965
kontinuierlich abzufallen. Diese Verringerung der Schülerzahlen war
nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, daß ein immer höherer Prozentsatz
der Schüler weiterführende Schulen besuchte. Erst mit dem Bau neuer
Siedlungen in Holtenau und dem damit verbundenen verstärktem Zuzug
stieg die Schülerzahl wieder an. Im Jahre 1961 wurden die heute
bestehenden neuen Schulgebäude mit 18 Klassenräumen errichtet, wobei
auch das älteste Schulgebäude, die Rektorswohnung, abgerissen wurde.
Die Räume des noch bestehenden gebliebenen Altbaus wurden zum neuen
Zimmer des Rektors, zum Lehrerzimmer und zur Bücherei umgebaut.
Ein Jahr nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes kam es zu einem
spektakulären Deckeneinsturz, der auch Ermittlungen der
Staatsanwaltschaft nach sich zog. Dieser verlief, da er nachts
passierte, zum Glück ohne Personenschäden, führte aber dazu, daß der
Unterricht im gesamten Neubau eingestellt werden mußte und erst nach
Abstützung der Decken wieder aufgenommen werden konnte.
|