|
Noch in den zwanziger Jahren
des Jahrhunderts gab es in Holtenau bis zu 16 Schiffsausrüster und
-makler, dazu gehörten:
- “Ankersen”: In der Kanalstraße
Nr. 57 bis 1952. Später befand sich hier das Lokal “Eiche Boje” bis zum
vollständigem Umbau zu einem Wohnhaus in den Jahren 1987/88.
-
“J. S. de Vries”: Das
Geschäft
befand sich ebenfalls am Kai. Das Geschäft wurde 1907 von dem aus
Holland stammenden Jan Siebolts de Vries (*1876; †1947) gegründet und
von seinem Sohn Jentje de Vries geführt. Nebenbei führte die Familie
deVries auch noch ein Gartenlokal an der “Kippe”. Während des Ersten Weltkrieges arbeite Jentje de Vries
anscheidend für den deutschen Geheimdienst: “The business ran well at
first. But uncle Jentje was also doing work on the side for the German
secret service during the first world war from 1914 to 1918. Holland
was neutral during the war and any German or allied soldiers and
sailors who strayed or shipwrecked on Dutch soil were interned by the
Dutch authorities. Uncle Jentje organized escape routes back to Germany
for these soldiers. The depression forced him to close the mast and
block business in Holtenau and the family returned to Holland in 1924.”
DeVries’ Tochter Rennie
heirate im Jahre 1928 August Arendt, der im Ersten Weltkrieg bei den Kaiserlichen Seefliegern als
Luftphotograph und Beobachter gedient hatte. Im Jahre 1920 mußte er im
Marinegefängnis einsitzen, nachdem er mit einem Flugzeug die Prinz-Heinrich-Brücke
unterflogen hatte.
-
“Johannes Lucht”:
Schiffsproviant in der Kanalstraße Nr. 10. Lucht war Klempnermeister
und betrieb in diesem Hausauch seine Werkstatt. Das Haus war aufgrund
der Kanalerweiterung
abgerissen und etwas zurück versetzt wieder aufgebaut worden. 1923
eröffnete sein Sohn Hugo im Haus einen Lebensmittelladen. Heute
befindet sich hier ein Friseursalon. Die Schiffe machten früher direkt
vor Luchts Haus an den Dalben fest, wenn die Schiffer bei ihm einkaufen
wollten.
-
“Karl Grammerstorf”: die
1914
gegründete Schiffsmakler-Firma hatte ihren Sitz auf den Alten Holtenauer Schleusen; seit 1924 auf der
Neuen Schleuse. Die Maklertätigkeit wurde bald durch eine eigene
Schuten- und Schleppschifffahrt ergänzt. 1926 wurde der erste Frachter
übernommen. Bei einem der letzten Bombenangriffe auf die Holtenauer
Schleusen wurde der Bruder des Firmengründers getötet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Dampfer “Bruno
Grammerstorf” zu den wenigen größeren Schiffen, die man Deutschland
beließ. 1964 wurde die Firma “Karl Grammerstorf Kiel-Kanal” gegründet.
-
“Herman Tiessen”. Das wohl
weithin bekannteste Kieler Schiffsausrüstergeschäft wurde 1927
gegründet und am späteren Tiessenkai – damals noch “Am Kai” – das erste
Gebäude errichtet. Als Tiessen das Geschäft eröffnete gab es zwar
bereits weitere 15 Konkurrenten in Holtenau und während des Eiswinters 1928/29 galt es für die
gerade erst gegründete Firma ebenso wie für die anderen Holtenauer
Schiffsausrüster eine lange Durststrecke zu überstehen, doch aufgrund
der zunehmenden Schiffsgrößen und der immer längeren Seezeiten wuchs
auch der Materialbedarf stetig an, so daß Hermann Tiessen und später
sein Sohn Günter das Geschäft im Laufe der Jahrzehnte durch insgesamt 8
Anbauten vergrößern mußten.
- “G. zur Mühlen”: Kanalstraße
Nr. 42. Dieses Haus wurde 1938 von der Familie Jacobs gekauft, die dort
ein Feinkostgeschäft betrieb.
- “Peters”: Verkaufte Seekarten
im Haus Kanalstraße Nr. 32.
- “Bruno Möller”: In der Straße
“Am Kai” (=Tiessenai) Nr. 8 hatte Möller sein Lager, in der Kanalstraße
Nr. 24 das Kontor.
- “Mahlstedt”: Kanalstraße Nr.
45, vorher Schiffsausrüster “Schütt&Sieck”.
- “Christensen&Samsöe”:
Kanalstraße Nr. 44. Geschäftsführer war Hermann Tiessen, der später
sein eigenes Unternehmen gründete.
- “Romeike”: zuerst befand sich
das Geschäft in der Kanalstraße Nr. 40, dann auf der Schleuseninsel.
- “Carl Loeck”: Das Haus
Tiessenkai Nr. 8 wurde bis Kriegsausbruch als Maklerbüro benutzt. Das
Gebäude wurde restauriert und ist seit 1988 denkmalgeschützt.
- “Lucks”: Im Dienst der Firma
Zerssen, die ihr Kontor von 1895 bis Anfang der 30er Jahre in der
Kanalstraße Nr. 46 hatte und dann auf die Schleuse umzog. Es gab noch
eine Nebenstelle am Tiessenkai Nr. 7.
Für einige Jahre gab es für die
Schiffsmakler starke Konkurrenz durch die Kaiserlichen Lotsen, hatte doch das Kaiserliche Kanalamt um
die Kanalpassage noch attraktiver zu machen die Holtenauer Lotsen
angewiesen, auf den aus der Ostsee den Kanal anlaufenden Schiffen die
Schleusenpassierscheine auszufüllen. Damit versprach man sich eine
geringere Abhängigkeit von den Schiffsmaklern und damit eine
Beschleunigung der Kanalpassage. Da insbesondere die Hamburger
Reedereien davon regen Gebrauch machten und ihre Klarierungen durch die
Kapitäne vollziehen ließen kam es zu großen finanziellen Verlusten und
zur Schließung einiger Maklerbüros.
|

Abb.: Am Tiessenkai.

Abb.: Schiffshändler Tiessen und Zerssen.

Abb.: Schiffshändler Thiede.

Abb.: Schiffshändler Lucht.

Abb.: Schiffshändler G. zur Mühlen.

Abb.: Schiffshändler J.S. deVries.

Abb.: Schiffshändler Ankersen.
|