Die Quarantäneanstalt am Voßbrook

Mit der zunehmenden Bedeutung Kiels als Hafenstadt stieg auch die Gefahr eingeschleppter Seuchen und so entstand im Jahr 1867 am Strand des Voßbrooks eine “Quarantäneanstalt” für die westlichen Ostseehäfen. Hier wurden die so genannten “Cholerabaracken” errichtet, d. h. Baracken, die Krankensäle, Desinfektionsräume und Leichenkammern enthielten. Hatte ein Schiff Epidemiekranke an Bord oder kam aus Häfen, in denen eine Epidemie ausgebrochen war, wurde hier die gesamte Besatzung des betroffenen Schiffes interniert.

Die Quarantäneanstalt bestand aus einer Krankenbaracke mit 14 Betten, einem Wärterzimmer und einer Teeküche, einer Beobachtungsbaracke mit 6 Betten sowie einem Wirtschaftsgebäude mit einem Desinfektionsraum, einer Waschküche und einer Leichenkammer. Alle drei Gebäude hatten eine ähnliche Größe. Eine Landungsanlage mit einer 156 Meter langen Laufbrücke diente zum Anlanden der erkrankten Seleute.

Das ehemalige Ärztehaus der Quarantäneanstalt – die so genannte Villa Bock – diente später als Offiziersmesse und wurde 1974 abgerissen. Zwei Jahre später wurde dann das letzte Gebäude der Quarantäneanstalt wegen Baufälligkeit abgerissen. Das ganze Gelände hatte eine Größe von knapp 4200 Quadratmetern.

Als in Hamburg 1892 die Cholera ausbrach, wurden auch in Kiel Vorkehrungen getroffen – schon wegen der vielen beim Kanalbau beschäftigten Menschen, die auf engsten Raum zusammen leben mußten. So schrieb die Kieler Zeitung Ende August 1892 in einem Artikel, der wohl zu allererst die Öffentlichkeit beruhigen sollte:

Was Kiel betrifft, so hat der Oberpräsident Weisungen wegen der Choleragefahr an die hiesige Polizeibehörde gerichtet. Die Baracke in Voßbrook ist völlig in Stand gesetzt, ein Verwalter daselbst stationirt und mit der nöthigen Instruktion versehen.

Der erste Cholerafall in Kiel wurde am 25. August gemeldet. Es folgten weitere Fälle und die verantwortlichen Stellen reagierten mit dem Verbot öffentlicher Versammlungen, Tanzvergnügen und allen Anlässen, bei denen viele Menschen aufeinander trafen. Erst Anfang Oktober konnten diese Verbote wieder aufgehoben werden. Im Jahre 1927 wurde die Quarantäneanstalt an die Hörn verlegt und das Gelände an die Marine verkauft, die mit dem Gelände den Seeflughafen erweitern wollte.

Links



Abb.: Im Hintergrund der Wald Voßbrook. Rechts die Villa Bock.

Abb.: Kaiserliche Marineinfanterie am Bootshafen. Im Hintergrund erkennt man noch die Gebäude der Quarantäneanstalt.


© Bert Morio 2011 [Home] - [Index]