Prinz-Heinrich-Brücke



Im Zuge der Kanalerweiterung von 1907-14 wurde anstelle der bisherigen Pontonbrücke nach den Entwürfen des Ingenieurs Friedrich Voß eine Hochbrücke über den Kaiser-Wilhelm-Kanal gebaut. Beim Bau kam es 1911 zu einem großen Dammrutsch, bei dem ein Arbeiter ums Leben kam, für den später östlich des Brückendamms ein Gedenkstein aufgestellt wurde. Östlich der Prinz-Heinrich-Brücke wurde zur Segelolympiade 1972 die Olympiabrücke errichtet. Beim Abriß der Prinz-Heinrich-Brücke kam es wiederum zu einem schweren Unfall als die tonnenschwere Last eines großen Brückensegments außer Kontrolle geriet und mehrere Autokräne zerstörte.

Die Prinz-Heinrich-Brücke war unter ganz anderen Gesichtspunkten konstruiert worden als die Kanalbrücken der ersten Generation wie die massive Levensauer Hochbrücke, denn sie sollte durch die Bauweise einerseits eine Erweiterung des Kanals ermöglichen als auch einem feindlichen Beschuß möglichst wenig Angriffsfläche bieten.

Da die Brücke weiter vom Holtenauer Dorfkern entfernt lag als die ehemaligen Übergänge über den Eiderkanal oder die bisherige Pontonbrücke und für die Holtenauer einen größeren Umweg bedeutete, wurde auch eine Fährverbindung über den Kaiser-Wilhelm-Kanal eingerichtet.

Nachdem man Pläne für eine Dampf- oder Schwebefähre verworfen hatte, beschäftigte sich ab Mitte 1908 die Kanalkommission mit der Idee einer Hochbrücke. Der Bau der Hochbrücke nach Plänen des seit 1908 als Leiter des Brückenbauamtes des Kaiserlichen Kanalamtes tätigen Ingenieurs Dr. Friedrich Voß (*1872,†1953), die völlig von der Konstruktion beispielsweise der Levensauer- oder Grünenthaler Hochbrücke mit ihren riesigen stützenden Bögen abwich, wurde im September 1909 mit den Gründungen begonnen und 1911 nahezu vollendet. Es handelte sich um eine so genannte Fachwerkbrücke, wie auch die ebenfalls von Voß konstruierten Hochbrücken in Rendsburg und Hochdonn.

Da inzwischen der Vorhafen der Schleusen erweitert worden war, wurde die Hochbrücke 300 Meter westlich der alten Prahmschwimmbrücke errichtet. Auf der Kieler Seite wurde dazu eine 1.000 Meter lange und auf der Holtenauer Seite eine 700 Meter lange Rampe errichtet.

Die Stahlkonstruktion hatte schließlich ein Gewicht von 3.700 Tonnen. Die Fahrbahn war 7 Meter breit und in sie wurden 2 Straßenbahngleise gelegt, weil es geplant war, die Kieler Straßenbahn bis nach Holtenau weiter zu führen, was jedoch nie zustande kam. Leider stellte sich heraus, daß die Konstruktion der Brücke für die Bahnlinie zu schwach war, was zur Folge hatte, daß der Fahrgastbetrieb zu den Friedrichsorter Industriebetrieben und, zu den Stränden im Norden und nach Schilksee und Strande den Hafendampfern und später vor allem den Autobussen überlassen blieb.

Da es am südlichen Brückendamm noch zu tun gab, wurde die Brücke erst am 28. September 1912 feierlich dem Verkehr übergeben und erhielt den Namen “Prinz-Heinrich-Brücke”. Anwesend waren Prinz Waldemar von Preußen und Prinzessin Irene, die Frau Prinz Heinrichs von Preußen, die auch die Brücke einweihte. Prinzessin Irene vollzog den Akt der Einweihung, nachdem sie vom Präsidenten des Kaiserlichen Kanalamtes Dr. Kautz mit den Worten “Durchlauchtigste Prinzessin! Gnädigste Prinzessin und Frau!” begrüßt worden war:

Möge die neue Brücke mit ihrer breiten Fahrbahn und breiten beiderseitigen Fußwegen allezeit einen glücklichen Verkehr der Großstadt mit ihrem Nachbarlande dienen! Schleswig-Holstein ’Op ewig ungedeelt’ erfahre durch Dich eine neue Verbindung, die die Wunde heilt, die der Kanal geschlagen hat.

Für den Bau der großen Rampen auf der Nord- und Südseite des Kanals wurden ca. 2 Millionen Tonnen Material aus dem Abraum der Kanalerweiterung verwendet. Im April 1911 kam es während dieser Arbeiten zu einem großen Dammrutsch, bei dem der aus Polen stammender Arbeiter Josef Czoska verschüttet wurde.

Es waren auf einer Fläche von 3.000 m² so große Erdmassen in Bewegung geraten, daß seine Leiche trotz mehrtägiger Suche nicht geborgen werden konnte. Zum Gedenken an dieses Unglück wurde an der Ostseite des südlichen Brückendamms ein großer Granitfindling aufgestellt.

Die Kieler Zeitung berichtete über dieses Unglück:

Der Erdrutsch, bei dem am Dienstag ein Arbeiter am Kaiser Wilhelm Kanal verunglückt ist, ereignete sich an der Rampe, die an der Südseite für die neue Hochbrücke bei Holtenau aufgeschüttet wird. Der Damm ist z.T. auf Moorboden gebaut. Schon vor 14 Tagen passierte ein Erdrutsch. Damals glitt ein Zug mit einigen Wagen ab, doch verlief der Unfall ohne Folgen. Diesmal passierte ein Zug mit 18 Wagen die Stelle, nachdem die Erdmassen abgeladen waren. Während der Fahrt begann die eine Seite des Dammes zu rutschen; der Zug fuhr schnell weiter und kam zum größten Teil aus dem rutschenden Gebiet, so daß nur noch vier Wagen mit abstürzten. Auf ihnen befanden sich aber keine Personen. Der Arbeiter Czoska, ein jüngerer Erdarbeiter, stand auf der Böschung des Dammes und war mit dem Einebnen der vom Zuge abgeladenen Erdmassen beschäftigt. Seine Leiche ist noch nicht gefunden. Im ganzen sind über 6000 qm des Dammes abgerutscht.

Der Bau der Prinz-Heinrich-Brücke kostete 2,5 Million Reichsmark.

Siehe auch:

Holtenau - Die alte Prinz-Heinrich-Brücke.
Abb.: Blick vom Südufer aus.

Abb.: Deutlich sind die Schienen sichtbar.

Abb.: Unten noch die Schwimbrücke.

Abb.: Rechts das alte Silo am Nordhafen.

Abb.: Blick vom Südufer aus.

Abb.: Gedenkstein für Josef Czoska.


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