Friedrich Christiansen

Friedrich Christian Christiansen (*1879; †1972), einer der erfolgreichsten Seeflieger des Ersten Weltkrieges, war ebenfalls auf der der Seeflugstation Holtenau stationiert. In weiten Kreisen bekannt wurde er 1914 auch durch einen zehneinviertelstündigen Dauerflug von Hamburg-Fuhlsbüttel über Neumünster-Kiel bis nach Leipzig, wobei er den damaligen Dauerweltrekord für Eindecker nur um 5,4 Minuten verfehlte.

Zuerst Handelsschiffkapitän, erwarb er im März 1914 einen Pilotenlizenz und kam als Torpedomannsmaat d.R. zur Seeflieger-Abteilung nach Holtenau. Für seine Einsätze im Krieg - er schoß unter anderem ein britisches Luftschiff ab - wurde er mit dem Orden “Pour le Merite” ausgezeichnet. Nach der Revolution von 1918 gehörte er der 3. Marinebrigade unter Wilfried von Loewenfeld an, einem Freikorps aus Marineangehörigen, das 1919 unter anderem zum Schutz der Reichsregierung eingesetzt worden war und 1920 an der blutigen Niederschlagung des kommunistischen Spartakistenaufstandes beteiligt war.

In der Weimarer Republik war er Kapitän des 10motorigen Riesenflugbootes “Dornier X”, das am 26. Juli 1932 auch Holtenau einen Besuch abstattete und mit dem er zweimal den Atlantik nach Nord- und Südamerika überquerte. Zu seinen Aufgaben in Holtenau gehörte anfangs die Pilotenausbildung bis er im Januar 1915 zur Seeflugstation Zeebrügge in Flandern abkommandiert wurde.

Im März 1933 trat Christiansen dann als Ministerialrat in das Reichskommissariat für Luftfahrt bzw. Reichsluftfahrtministerium ein und übernahm dort das "Amt für Ausbildung und Sport", dem wiederum die Fliegerschulen unterstanden. Christiansen wurde nach dem Krieg in den Niederlanden zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, denn er hatte in seiner Funktion als Wehrmachtsbefehlshaber in den Niederlanden im Oktober 1944 befohlen, das niederländische Dorf Putten nieder zu brennen, und 661 Männer des Dorfes, darunter auch Jungen ab dem 16. Lebensjahr, nach Amersfoort und von dort in verschiedene Konzentrationslager zu deportieren. Auch die anderen Bewohner mußten das Dorf verlassen, die Häuser wurden niedergebrannt. Nur 49 der Deportierten überlebten.

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