Geschichte der Holtenauer Seelotsen

Die Lotsen waren bis 1922 uniformierte Reichsbeamte und in vilen Fällen ehemalige Angehörige der kaiserlichen Marine. Auf eigenen Wunsch wurden sie dann Gewerbetreibende.

Früher durften die Lotsen höchstens drei Kilometer entfernt wohnen, da sie zu Fuß zum Dienst kommen mußten. Vor 1907 wurden sie per Laterne von Haus zu Haus benachrichtigt, danach gab es ein erstes Lotsentelefon. Da sich viele Lotsen mit Hilfe des Lotsenbauvereins auf der Südseite der Kastanienallee, an der Wullestraße und der Nordseite der Königstraße Häuser gebaut hatten, wurde von ihnen der "Lotsenweg" für den Weg zum Dienst benutzt, der von der Kastanienalle über die Wullestraße, die Königstraße bis hinunter zur Kanalstraße führt.

Die Vorschriften für den Beruf des Seelotsen wurden erst in den 1950er Jahren gelockert. Vorher sahen die strengen Vorschriften in der Regel 15 Jahre Seefahrtszeit, darunter 20 Monate auf Segelschiffen, und den Erwerb von Steuermanns- und Kapitänspatent vor. Dann folgte eine sechsmonatige Spezialausbildung und ein Examen mit Aushändigung der "Bestallung".

Der Holtenauer Lotsenturm

Im Jahre 1929 wurde der neue Lotsenturm am Bootshafen (Lotsenhafen) in der Nähe des Holtenauer Leuchtturmes errichtet, so daß der Schiffsverkehr besser beobachtet und die Lotsen rationeller eingesetzt werden konnten. Vom Lotsenturm aus wurden die im Lotsenhaus (dem so genannten "Mäuseturm") wartenden Kollegen benachrichtigt.


Abb.: historische Aufnahme von Bootshafen mit
Lotsenturm rechts und "Mäuseturm" links vorne.

Im Laufe der Jahre wurden die Lotsen jedoch immer öfter per Funk angefordert, so daß der Lotsenturm mit der Zeit immer mehr an Bedeutung verlor. Der Lotsenturm blieb bis zu seiner Ersetzung durch ein Betriebsgebäude auf der Schleuse im Jahre 1970 in Betrieb wurde dann aber zwei Jahre später bis auf das Erdgeschoß abgerissen.

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