Der Leuchtturm am Eiderkanal
Der heutige Holtenauer Leuchtturm hatte über ein Jahrhundert
lang einen unscheinbaren Vorgänger, der jedoch nur wenige Jahre lang in
Betrieb war.
Das dritte Leuchtfeuer, das neben Bülk und Friedrichsort an
der Kieler Förde installiert wurde, befand sich seit 1815 vor dem
Holtenauer Kanalpackhaus in unmittelbarer
Nähe zum dort aufgestellten Obelisken.
Während es für die beiden anderen Leuchtfeuer spezielle
Leuchtfeueraufseher gab, wurde diese Aufgabe in Holtenau dem
Packhausverwalter anvertraut. Beseke spricht davon, daß im Jahr der
Grundsteinlegung für den Kaiser-Wilhelm-Kanal nur noch ein "unscheinbarer Turm" auf dem
Festplatz vorhanden war.
Der Leuchtturm vor dem Kanalpackhaus scheint jedoch nur einige
Jahre lang in Betrieb gewesen zu sein, was zumindest folgende
Textpassage nahelegt:
“Das
dritte hier erwähnte Leuchtfeuer, das bei Holtenau, hat bald aufgehört.
Königl. Resolution v. 14ten März 1823, daß das zu Holtenau
eingerichtete Leuchtfeuer eingehen möge.”
Der Holtenauer Leuchtturm
Der Holtenauer Leuchtturm an der Einfahrt zur Schleuse
Kiel-Holtenau
gehört sicherlich zu den Wahrzeichen des Stadtteils und zählt zu den
schönsten Leuchtfeuern an der deutschen Küste.
Es wird einem sofort klar, daß der Holtenauer Leuchtturm mehr
war
als
nur ein Seezeichen, sondern auch der Verherrlichung des deutschen
Kaiserreiches
dienen sollte. So findet sich an seiner Außenwand eine Gedenktafel mit
folgender Aufschrift:
"Kaiser Wilhelm II.
vollzog die Weihe des Nord-Ostsee-Kanals und
übergab ihn dem Weltverkehr am 21. Juni 1895".
Während Kaiser Wilhelm als Friedenskaiser dargestellt wird,
hatte
der Kaiser-Wilhelm-Kanal nicht zuletzt große
militärstrategische Bedeutung, da sich Teile der kaiserlichen Flotte in
kurzer Zeit von der Ost- in die Nordsee verlegen ließen.
Im Inneren des Leuchtturms befindet sich die sogenannte "Drei-Kaiser-Halle",
die drei Gedenktafeln und Abbildungen der Kaiser Wilhelm I., Friedrich
III. und
Wilhelm II. enthält, in deren Regierungszeit der Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals fiel.
Im Fundament des Leuchtturms befindet sich der Grundstein des
Nord-Ostsee-Kanals, in dem neben den üblichen Utensilien auch die
Gründungsurkunde eingemauert ist:
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"Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Kaiser, König von
Preußen
etc. thun kund und fügen hiermit zu wissen:
Die Herstellung einer unmittelbaren Verbindung der beiden deutschen
Meere durch eine für den Verkehr der Kriegs- und Handelsflotte
ausreichenden Wasserstraße ist seit langer Zeit das Ziel in
unerreichbarer Ferne. Nachdem aber durch Gottes Fügung das
Deutsche Reich neu entstanden war, konnte der Plan zur Herstellung
jener Verbindung in der uns seitdem beschiedenen gewesenen Zeit
friedlicher Entwicklung festere Gestalt gewinnen. Durch das
Reichsgesetz vom 16. März 1886 ist die Verbindung beider Meere nun
sichergstellt worden.
Ein Bauwerk von gewaltiger Ausdehnung soll damit unternommen, ein
bleibendes Denkmal deutscher Einigkeit und Kraft geschaffen, und in den
Dienst nicht nur der vaterländischen Schiffahrt und
Wehrhaftigkeit, sondern auch des Weltverkehrs gestellt werden. Keine
menschliche Voraussicht vermag die zukünftige Bedeutung dieses
Baues in vollem Umfange zu ermessen; die Wirkungen desselben ragen
über das lebende Geschlecht und über das zur Rüste
gehende Jahrhundert hinaus.
Im Hinblick auf diese Bedeutung des vaterländischen Unternehmens
haben Wir beschlossen, im Namen der Fürsten und freien Städte
des Reiches, in Gemeinschaft mit den Vertratern des Reichstages und des
Preußischen Landtages, der Grundstein zum Bau des
Nord-Ostsee-Kanals, und zwar an der Stelle gelegt werde, an welcher
sich in Zukunft die Eingangsschleuse bei Holtenau erheben wird.
Möge der Bau dem deutschen Vaterlande, möge er den
Elbherzogthümern zu Heil und Segen gereichen! Möge durch ihn
das Gedeihen der deutschen Schiffahrt und des deutschen Handels, die
friedliche Entfaltung des Weltverkehrs, die Stärkung der
vaterländischen Seemacht und der Schutz unserer Küsten
kräftig gefördert werden!
Das walte Gott in Gnaden!
Gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer
Alerhöchsteigenhändigen Namensunterschrift vollzogen und mit
Unserem größeren Insiegel versehen lassen.
Wir befehlen, die eine Ausfertigung mit den dazu bestimmten Schriften
und Münzen in den Grundstein bei Holtenau niederzulegen, die
anderen in Unserem Archiv aufzubewahren.
Gegeben Holtenau, den 3. Juni 1887."
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Außen an der nordöstlichen
Seite des Leuchtturms war ursprünglich eine ebenfalls von dem Berliner
Bildhauer Ernst Herter
modellierte bronzene Nachbildung des Drachenbugs eines Wikingerschiffes
so angebracht, als Würde der Schiffsrumpf aus dem Gemäuer
hervordringen. Die Pranken des Drachens zeigten ihre Krallen. Dieses
Kunstwerk ist heute nicht mehr vorhanden. Da es sich noch auf einer
Aufnahme aus dem Eiswinter 1929 findet, kann man vermuten, daß es
zusammen mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal
während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen
wurde.
Der Grundstein des Nord-Ostsee-Kanals, der im Jahre 1887 von Kaiser
Wilhelm I. gelegt worden war, wurde über eine Gleisanlage in den
unteren Teil Leuchtturms transportiert. Nach dem Absenken des Steins in
das Gewölbe wurde er dann eingemauert und wird so den Blicken vieler
Generationen entzogen. Die Statue der " Germania", die bisher auf dem
Grundstein stand, wurde dann vor dem Verwaltungsgebäude der " Kaiserlichen Kanalkommission"
aufgestellt.
Die Höhe des des Holtenauer Leuchtturmes beträgt 20 Meter, die des
Leuchtfeuers beträgt 24 Meter und die Nenntragweite seines Leuchtfeuers
für Weiß 11, für Rot 9 und für Grün 8 Seemeilen. Gebaut wurde der
Leuchtturm durch die Kieler Firma Rower. Im Herbst 1994 erfolgten am
Leuchtturm umfangreiche Unterhaltungs- und Renovierungsarbeiten, damit
er zum 100. Geburtstag des Nord-Ostsee-Kanals wieder im alten Glanz
erstrahlen konnte. Aus diesem Grund wurde während der Arbeiten neben
dem Turm eine dreibeinige Gitterbarke mit einem Ersatzseezeichen als
Hilfsturm aufgestellt.
Seit März 2001 Zeit werden im Holtenauer
Leuchtturm Trauungen
durchgeführt.
Das Leuchtfeuer auf der Südmole
Auf der Südseite des
Kaiser-Wilhelm-Kanals befand sich ein weiterer Leuchtturm, der im
Gegensatz zum Holtenauer Leuchtturm ganz schlicht gehalten wurde und
nur eine rein nautische Funktion besaß. Zur seiner Gründung wurden
große Pfähle in den Boden gerammt und darauf die Eisenkonstruktion des
Turmes mit einer Höhe von 17 Metern errichtet. Dieses so genannte "Südmolenfeuer" wurde beim Bau der
neuen Schleuse 1914 versetzt und steht seitdem auf der Nordmole des
Scheerhafens, die gleichzeitig die Südmole der Schleuseneinfahrt
bildet. Der schlichte Turm trug ursprünglich eine grüne Abdeckung
(Radom), die jedoch einer großen Radarantenne weichen mußte. Die
Metallkonstruktion steht jedoch auf einem schön ausgeführten runden
Sockel, so daß sich der bauliche Zusammenhang zum Leuchtturm Holtenau
gleich erkennen läßt.
Am 2. Dezember 1994 wurde auch
der Leuchtturm am Scheerhafen renoviert, wobei die alte Laterne
demontiert wurde, da sie den heutigen Anforderungen nicht mehr genügte.
Eine Überprüfung des Wasser- und Schifffahrtsamtes ergab, dass die
Laterne für eine zusätzliche Radarantenne nicht geeignet war. Im Jahre
1998 wurde auf den alten Stahlturm ein neues Laternenhaus mit
Radarantenne gesetzt. Das Laternenglas bog die Firma Glas Bayer aus
Schülp in die passende Form. Rund um den Turm wurde der Boden saniert
und ein Zaun um den Turm gezogen. Mit der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals
am 21. Juni 1895 nahmen auch die beiden Leuchttürme ihren Betrieb auf.
Die Drei-Kaiser-Halle
Im Inneren des Leuchtturms
befindet sich im achteckigem Unterbau die so genannte
"Drei-Kaiser-Halle" mit drei Gedenktafeln für die Kaiser Wilhelm I.,
Friedrich III. und Wilhelm II., in deren Regierungszeiten der Kanalbau
fiel. Dabei mutet die Halle wie eine Kapelle an, ein Eindruck, der
sowohl durch die drei Gedenktafeln für die drei den Kanalbau
begleitenden Kaiser als auch durch die runde Bauform hervorgerufen
wird. [ mehr ...]
Links zum Leuchtturm Holtenau:
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Ab.: Links sieht man den Obelisken und den
ersten Holtenauer Leuchtturm am Eiderkanal.

Abb.: Der Holtenauer Leuchtturm, rechts das zur Kanaleröffnung
eingeweihte Denkmal für
Kaiser-Wilhelm I, in der Mitte der alte Turm der Dankeskirche.

Abb.: Die kaiserliche Kriegsflotte vor dem Holtenauer Leuchtturm, links
das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
und die " Wartehalle".

Abb.: Ebenfalls auf dem Holtenauer Leuchtturmhügel befindet sich seit
1893
eine Gaststätte, die frühere " Wartehalle",
die später in "Fördeblick"
umbenannte wurde. Bild aus dem Jahr 1921.

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Ab.: Grundsteinlegung für den Leuchtturm.

Abb.: Lithographie nach einer Luftaufnahme. Die Dankeskirche steht noch auf freiem Feld.

Abb.: Das Leuchtfeuer auf der Südmole.
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