Ein Holtenauer Kriegsende ![]()
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In den letzten Kriegswochen wurden die Kämpfe in
Norddeutschland seitens der vorrückenden Briten mit
unverminderter Härte ausgetragen obwohl sich die
Wehrmacht bereits in völliger Auflösung befand.
Den Briten ging es in Norddeutschland vor allem darum,
ein Vordringen der Roten Armee bis nach
Schleswig-Holstein und Dänemark "... und
damit möglicherweise bis an die Nordsee"
zu verhindern. Nachdem er nach Hitlers Selbstmord als Oberbefehlshaber eingesetzt worden war, gab Großadmiral Dönitz den Befehl, nur dann noch gegen die Briten und Amerikaner zu kämpfen, wenn diese die Wehrmacht daran hinderten, ihrerseits gegen die Rote Armee vorzugehen. Ziel der Wehrmacht sei es nun, daß Tor zum Norden so lange wie möglich offen zu halten, um so vielen Menschen wie möglich die Flucht vor der Roten Armee zu ermöglichen. Holtenau und der Kaiser-Wilhelm-Kanal rücken in den letzten Kriegstagen aus der oben beschriebene Konstellation unerwarteterweise wieder in den Mittelpunkt des Geschehens. Am 2. Mai 1945 warfen britische Bomber noch einmal 174 Tonnen Bomben auf Kiel ab und am 3. Mai flog die Royal Air Force noch 905 Einsätze gegen Ziele in Schleswig-Holstein, wobei es auch zu dem verhängnisvollen Angriff britischer Flugzeuge gegen deutsche Schiffseinheiten in der Lübecker Bucht kam, bei dem 7.000 von der SS auf Schiffen zusammengepferchte KZ-Häftlinge ihr Leben verloren. Und selbst noch am 4. Mai 1945 flogen Britische Flugzeuge vor der Schleuseneinfahrt und in der Kieler Förde Angriffe gegen Schiffe, die aus dem Kanal ausliefen, denn man wollte den Schiffsverkehr nach Norden - insbesondere nach Norwegen - stoppen, und damit auch die Verschiffung von Kriegsmaterial oder die Flucht von belasteten Personen. Der 2. Mai 1945 war auch der Tag, an dem die Britischen Streitkräfte in schneller Bewegung in Richtung Norden und Nordwesten vorstoßen konnten und nur sechs Stunden (!) vor Ankunft der sowjetischen Panzerspitzen die Stadt Wismar und damit die Ostseeküste erreichten. Damit war den sowjetischen Truppen ein weiterer Vorstoß nach Schleswig-Holstein und an die Nordseeküste verwehrt. Eine zusammenhängende deutsche Front in Ostholstein gab es nicht mehr und damit stand den Briten der Weg nach Kiel offen. Nachdem die Briten die Ostseeküste erreicht hatten, ergab sich für Dönitz eine neue militärische Lage, aus der er sogleich die Konsequenz zog, daß hier der deutsche Widerstand gegen die Briten sinnlos geworden war. Dönitz beauftragte daher noch am selben Abend Generaladmiral von Friedeburg, sich in das Hauptquartier Montgomerys in Wendisch-Evern bei Lüneburg zu begeben und eine Teilkapitulation für Nordwestdeutschland auszuhandeln. Zugleich erteilte Dönitz dem Hamburger Kampfkommandanten Wolz Vollmacht, die Stadt kampflos zu übergeben. Wolz erhielt Befehl, die Truppen "aus Hamburg herauszuziehen und in die Linie Elmshorn - Bad Bramstedt - Alveslohe, die zu halten ist, zurückzuführen". Mehrere Auffanglinien sollten in Holstein gebildet werden, während sich Dönitz in Richtung Norden zurückzog, um sich seinen Handlungsspielraum für die folgenden Kapitulationsverhandlungen zu erhalten und Zeit für die unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte laufenden Evakuierungen im Osten zu gewinnen. Aus eben dieser Überlegung heraus hatte Großadmiral Dönitz hatte noch am 2. Mai befohlen alle noch verfügbaren Kräfte an den Kaiser-Wilhelm-Kanal zu führen, da dieser unbedingt verteidigt werden sollte um Zeit für Friedensverhandlungen "und damit auch für die Evakuierung aus den Ostgebieten" zu gewinnen. Das folgende Telegramm vom 2. Mai 1945 macht die ganze Dramatik dieser letzten Kriegstage deutlich: "Der Großadmiral hat befohlen:Der Oberbefehl über die noch nicht durch die Alliierten besetzten Gebiete im Norden war durch Dönitz an Generalfeldmarschal Busch übertragen worden. Der "Kampfkommandant" für den nördlichen Teil Schleswig-Holsteins war General Hoffmann. Busch gab am 3. Mai 1945 an Hoffmann den entsprechenden Befehl, alle verfügbaren Kräfte an den Nord-Ostsee-Kanal zu verlegen. Am 4. Mai 1945 gab Dönitz den erneuten Befehl, die Linie nördlich des Nord-Ostsee-Kanals unter allen Umständen zu verteidigen. Am Morgen des 3. Mai hatte der "Küstenbefehlshaber westliche Ostsee" Konteradmiral Stichling verlautbaren lassen, daß Kiel zur offenen Stadt erklärt und somit nicht mehr gegen die anrückenden Briten verteidigt werden sollte. Gleichzeitig löste er unter den Codewort "Regenbogen" die Zerstörung sämtlicher Waffen und militärischen Geräte in seinem Kommandobereich aus. Die Flak verschoß daraufhin ihre ganze Munition und die in der Förde liegenden die Kriegsschiffe ihre Signalmunition in einem Feuerwerk, das sich über Stunden hinzog. Daß das Gebiet nördlich des Kanals weiterhin verteidigt werden sollte, führte zu der grotesken Situation, daß das Kommando der für Kiel zuständigen Marine-Flakbrigade in Dreilinden sich daher noch im Kriegszustand befand, während es sich gleichzeitig als das für die Stadt Kiel zuständige Kommando für die Kapitulation bereit halten mußte. Der Kommandant der Marineflak ging daher davon aus, daß die Kapitulation für die Gesamtheit der Stadt Kiel" und damit auch für die nördlich des Kanals liegenden Kieler Gebiete" zu gelten hätte, was dazu führte, daß er abgesetzt und durch einen anderen Kommandanten ersetzt wurde. Ein letztes Aufgebot aus 4 Panzern und einigen Männern wurde daraufhin an den Nord-Ostsee-Kanal entsandt und die Stadt Rendsburg zur Festung erklärt. Aus der Marineschule Flensburg-Mürwik wurden am 2.Mai drei Ausbildungskompanien, die nach ihrem Kommandanten Fregattenkapitän Wiebe benannt mit ca. 120 Soldaten das "Bataillon Wiebe" bildeten, an den Kanal bei Rendsburg (unter Kapitänleutnant Schröder), Levensau (unter Kapitänleutnant Zumpe) und nach Holtenau verlegt um die dortigen Kanalbrücken zu verteidigen. Jeder hatte nur 6 Schuß Munition zur Verfügung, alles andere war im Rahmen der Aktion "Regenbogen" vernichtet worden. Bevor das "Bataillon Wiebe" die Aufgabe zur Verteidigung der Hochbrücke erhielt, lagen dort ortsfremde SS-Einheiten in Stellung, die den Befehl hatten, die Prinz-Heinrich-Brücke in Verteidigungszustand zu versetzen, wofür Munition herangefahren und Flak bereit gestellt wurde. Den Befehl an der Holtenauer Hochbrücke erhielt Kapitänleutnant Otto Schlenzka - nach dem Krieg Commodore des Kieler Yacht Clubs und Ehrenbürger der Stadt Kiel -, der sich mit seinen Männern in den Baracken der Kanalwachabteilung an der Prinz-Heinrich-Brücke einquartierte und am 4. Mai damit begann, die Stellung an der Brücke auszubauen. Ein Unterstand am Beginn der Brücke auf der Holtenauer Seite diente als "Befehlsstelle" und auf der Südseite wurden Einmannlöcher ausgehoben. Auf dem südlichen Brückendamm befand sich auf 2/3 Höhe ein kleiner Bunker, der Schlezkas Truppe als Verpflegungslager diente. Zuerst wurde auch auf der südlichen Seite der Brücke gesichert, nach der Waffenruhe vom 5. Mai, die den Kaiser-Wilhelm-Kanal als Demarkationslinie festlegte, nur noch auf der Nordseite. Trotzdem hatten einige Soldaten nochmals an das südliche Ufer übergesetzt um von einer dort liegenden Schute Proviant zu besorgen. Kurz nachdem Kapitänleutnant Schlenzka am Vormittag des 5. Mai nochmals Männer auf den südlichen Brückendamm geschickt hatte um Proviant zu bergen kam eine Kolonne britischer Panzerspähwagen den südlichen Brückendamm hinaufgefahren, stoppte am Südende der Brücke und schnitt damit den zum Proviantholen geschickten Männern den Rückweg ab. Es gelang Kapitänleutnant Schlenzka jedoch, seine Leute von den Briten frei zu bekommen, wobei es jedoch Fußtritte und Schläge der Briten einzustecken galt. Daraufhin befahl Kapitänleutnant Schlenzka, das sich am nördlichen Brückenende befindliche eiserne Gittertor zu schließen. Mit Hilfe eines vorgefundenen Bombenblindgängers und eines langen Eisendrahtes als "Zündschnur" bastelten die Männer eine Bombenattrappe, die vor das Eisengittertor auf die Fahrbahn gelegt wurde. Als britische Soldaten von den "Desert Rats" die Brücke betraten und auf die Nordseite zu gelangen versuchten, wurden diese von den Deutschen durch lautes Rufen und heftiges Gestikulieren auf die Gefahr aufmerksam gemacht und zogen sich wieder auf das Wiker Ufer zurück. Interessanterweise scheint auch in diesen letzten Kriegstagen die Kanalfähre noch im Einsatz gewesen zu sein, denn Schlenzka berichtet, daß er einzig von den mit der Fähre nach Holtenau gelangten Zivilisten Informationen über die Lage südlich des Kanals erhielt, während es zum dienstältesten Holtenauer Marineoffizier Kapitän z. S. Kähler keine Verbindung mehr gab. Am 4. Mai 1945, d. h. am selben Tag als noch ein Angriff gegen Holtenau geflogen wurde, begannen alliierte Emissäre um 16 Uhr in Kieler Rathaus mit den Übergabeverhandlungen. Am selben Tag erreichte eine britische Spezialeinheit Kiel und sicherte hier verschiedene Marineanlagen. Den britischen Truppen war zwar das weitere Vorrücken in den Landesteil Schleswig untersagt, es gab aber von Kiel aus einige Aufklärungsvorstöße in Richtung Eckernförder Bucht. Auch auf dem Flughafen Holtenau wurden zum Kriegsende wichtige militärische Anlagen gesprengt, damit sie nicht den Alliierten in die Hände fallen konnten. Hier war noch eine intakte italienische Fernkampfstaffel stationiert, die nicht mehr zum Einsatz gekommen war.
Seitens des Oberkommandos der Wehrmacht gab es hinsichtlich des weiteren Vorgehens am Kaiser-Wilhelm-Kanal widersprüchliche Verlautbarungen: So wurde noch am 4. Mai betont, daß der Krieg noch nicht beendet und der Kaiser-Wilhelm-Kanal weiterhin zu verteidigen sei. Ein durch die Kriegsmarine entwaffnetes Bataillon wurde daraufhin wieder bewaffnet und nach Holtenau in Marsch gesetzt. Ein Wehrmachtsmajor des X. Armeekorps in Hamburg hatte den Befehl erhalten die Schleusen in Brunsbüttel zu verminen und die Hochbrücken über den Kaiser-Wilhelm-Kanal zu sprengen. Dieser Befehl wurde sofort nach Bekanntwerden durch die Kriegsmarine wieder aufgehoben. Weiterhin plante das Marineoberkommando Ost alle im Kanal liegenden Handelsschiffe zu versenken. Im Laufe der letzten Kriegswochen hatte die Schifffahrtsabteilung der Kriegsmarine im Kanal bis zu 70 Handelsschiffe stilllegen und anbinden lassen, da diese wegen der Knappheit an Treibstoffen oder Bunkerkohle nicht mehr bei der Evakuierung von Zivilisten oder Wehrmachtsangehörigen aus dem Osten eingesetzt werden konnten. Man glaubte, daß die Schiffe hier das Kriegsende heil überstehen würden, da die Alliierten den Kanal wegen seiner Bedeutung für die internationale Schifffahrt bisher weitgehend unversehrt gelassen hatten. Auch diese Absicht wurde unter Hinweis auf die Befehle Dönitz' verhindert. Weiterhin waren auch an den Kanalböschungen Sprengladungen gelegt worden. Über solche Planungen berichtet auch Otto Schlenzka: "Für uns auf der Holtenauer Hochbrücke verliefen der 6. und 7.5. ohne besondere Ereignisse, mit einer Ausnahme: An einem der beiden Tage, etwa um die Mittagszeit, erschien ein Sturmführer der SS bei mir und teilte mir mit, daß er die Hochbrücke sprengen wolle, ob auf höheren Befehl oder aus eigener Initiative, erinnere ich mich nicht mehr. Jedenfalls stellte ich ihm den Unsinn einer solchen Aktin dar: Waffenstillstand in Kraft, Kapitulation in Kürze bevorstehend, >Werwolf<-Aktionen verboten, daneben ausdrücklich die Sprengung der Kanalbrücken. Eine Sprengung würde außerdem die Zivilbevölkerung, insbesondere die vielen in Holtenau wohnenden, in der Stadt Kiel arbeitenden Bürger, auf Jahre hinaus schwer treffen." Er verschwand daraufhin wieder, ohne daß es zu weiteren Auseinandersetzungen kam."Ein anderer Versuch die Prinz-Heinrich-Brücke zu sprengen wurde durch das tatkräftige Eingreifen des Holtenauers Heinrich Ivens verhindert, der als er sah, daß eine kleine Gruppe von Soldaten die Brücke zur Sprengung bereit machen wollte, in seine Offiziersuniform aus dem Ersten Weltkrieg schlüpfte und zusammen mit seinen Nachbarn Hermann Storm die Sprengladung entfernen konnte und die Kindersoldaten mit den Worten "Geht nach Hause, Jungs, der Krieg ist zu Ende, und wir Holtenauer müssen auch noch nach dem Kriege über diese Brücke gehen!" nach Hause schickte. Am Morgen des 5. Mai trat schließlich eine Waffenruhe in Norddeutschland gegenüber allen Truppen unter dem Befehl Feldmarschall Montgomery in Kraft. Die Waffenruhe umfaßte die noch seitens der Wehrmacht besetzten Gebiete in Holland, Friesland, Schleswig-Holstein und Dänemark, während gleichzeitig die sich auf See befindlichen Flüchtlingstransporte der Kriegsmarine" wohl mit stillschweigendem Einverständnis Montgomerys" weiterlaufen sollen. Durch diese Waffenruhe standen den britischen Truppen nun die restlichen Schleswig-Holsteinischen Gebiete offen und sie besetzten daraufhin gezielt Flugplätze, u. a. auch den Flugplatz in Holtenau. Es waren in den letzten Kriegstagen viele" zum Teil überbesetzte" Flugzeuge auf den schleswig-holsteinischen Flugplätzen gelandet, so daß sich die Briten von jedem deutschen Flugzeugtyp je ein Exemplar zur technischen Erprobung sichern konnten. Um nicht auf den Holtenauer Flugplatz in britische Gefangenschaft gehen zu müssen, zog die Kompanie Schlenzka von der Holtenauer Hochbrücke ab und marschierte wieder in Richtung Flensburg. Am 7. Mai besetzten die Briten das restliche Holsteinische Gebiet, ohne jedoch den Kaiser-Wilhelm-Kanal zu überschreiten. Auch das Kieler Stadtgebiet wurde durch die 46. Infanterie-Brigade der 15. Division vollständig besetzt. Alle deutschen Bewegungen entlang des Kanals wurden überwacht. Die in Raum Kiel stationierten Einheiten bildeten die "Kiel Brigade Area". Ihre Aufgabe war neben der Sicherheit und der Demobilisierung die Beseitigung von Munition, Sprengung von Bunkern (wie auch in Holtenau), die Fürsorge für die "Displaced Persons" und die Inhaftierung von belasteten Nationalsozialisten. Eine weitere in den letzten Kriegstagen nach Kiel entsandte britische Einheit war die "30 Assault Unit", deren Aufgabe die Sicherung von Militärtechnologie war. Dabei stießen diese Spezialkommandos teilweise noch durch die sich zurückziehenden Deutschen Truppen vor, um ihre Ziele zu erreichen. Dies waren in Kiel in erster Linie die "Walter-Werke" in Tannenberg, die man unbedingt vor den Sowjets erreichen wollte, so daß sogar unter dem Decknamen "Red Admiral" ein Luftlandeunternehmen gegen den Kaiser-Wilhelm-Kanal gepant war" weitere Ziele waren die "Elac" und die "Deutschen Werke Friedrichsort", alle drei Weltspitze in der Unterwassertechnologie. Am 8. Mai, dem letzten Kriegstag in Europa, übernahmen britische Marine-Infanteristen die Kontrolle über die Kanalschleusen in Holtenau und Brunsbüttel. Soldaten der "7th Seaforth Highlanders" besetzen den Flughafen und bewachten die Schleusen. Sie entwaffnen die deutschen Soldaten auf dem Seefliegerhorst und setzen die Flugzeuge außer Betrieb. Flüchtlingstransporte über den Nord-Ostsee-Kanal wurden von den Briten fortan nur noch in Brunsbüttel erlaubt. Als sich die britischen Soldaten am 7. Mai der Prinz-Heinrich-Brücke näherten, gingen sie vorsichtig vor, weil sie nicht davon ausgehen konnten, daß die deutschen Truppen nördlich des Kanals bereits über den Waffenstillstand informiert worden waren. So befahl der kommandierende britische Offizier Lieutenant Colonel P. M. Hunt zunächst einmal anzuhalten und fuhr dann um 13 Uhr 30 zunächst allein in seinem Panzerspähwagen mit einer weißen Fahne voraus bis zur Barriere an der Brücke, wo er von deutschen Soldaten gestoppt wurde, die tatsächlich noch keine Kenntnis über den Waffenstillstand erhalten hatten und weiterhin den Befehl, die Brücke so lange wie möglich zu verteidigen und sie dann zu zerstören auszuführen gedachten. Erst ein Telefonat mit der deutschen Befehlsstelle auf dem Flugplatz konnte die Situation klären und die Briten durften die Brücke passieren. Auf dem Flugplatz angekommen wurde als einziger britischer Soldat nur der 25-jährige Charles Dunesby als Kontaktperson zurück gelassen während Lieutenant Colonel Hunt zurück fuhr um den Rest des Bataillons zu holen. So befand sich Dunesby plötzlich völlig auf sich allein gestellt inmitten deutscher Truppen. Ein deutscher Offizier bat ihn schließlich in ein Gebäude, in dem gerade 40 bis 50 Flieger beim Essen saßen, die auf Befehl des Offiziers Haltung annahmen. Dunesby wurde gefragt, ob er die Erlaubnis gäbe, daß die Männer weiteräßen, was er bejahte und damit zur Entspannung der an sich absurden Situation beitrug. Eine andere Augenzeugin der Kapitulation der deutschen Truppen auf dem Flugplatz Holtenau war die amerikanische "Life"-Kriegsfotografin Margaret Bourke-White, die am 7. Mai auf dem Flugplatz landete ohne zu wissen, ob sich das Gebiet bereits unter britischer Kontrolle befand. Sie stellte fest, daß der Flugplatz bereits durch die Royal Air Force besetzt worden war und daß sich die deutschen Luftwaffenangehörigen in der vorhergehenden Nacht über die umfangreichen Alkoholvorräte hergemacht und den Besatzern nichts mehr übrig gelassen hatten. Mit nur 3 Soldaten (!) besetzten die "7th Seaforth Highlanders" auch die Holtenauer Schleusen und bewachten die Anlagen bis zum Eintreffen von Verstärkungen. Die Briten übernahmen das Haus des Schleusenwärters, das plötzlich von einem Geschoß getroffen wurde, ohne daß es dabei Verletzte gab. Hier auf der Schleuse kapitulierten in diesen Tagen auch einige der letzten Schiffe der Kriegsmarine, so auch mehrere deutsche Zerstörer, die teilweise mit bis zu 3.000 evakuierten Soldaten aus den letzten deutschen Brückenköpfen im Osten beladen waren. Der Gefangenentransport vom April 1945Bereits im April 1945 wurde Holtenau von einem anderen Schrecken des Nationalsozialistischen Regimes berührt," obwohl man annehmen darf, daß kaum ein Holtenauer Notiz von dem nehmen konnte oder wollte, was sich damals auf dem Schleusengelände abspielte:Anfang April 1945 ordnete der Reichsführer der SS Heinrich Himmler im Hinblick auf das Vorrücken der Alliierten die Evakuierung des der Gestapo unterstehenden Polizeigefängnisses Fuhlsbüttel an, woraufhin am 10. April eine Gruppe von ca. 150 Menschen im Hamburger Hafen auf ein Schiff verladen und durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Holtenau transportiert wurde: "Darunter waren nach Aussage des Transportführers Friedrich Wilhelm Röttger >>30 polnische Offiziere und 10 deutsche Männer. Die Frauen waren größtenteils Deutsche.<< Aber an Bord waren auch etwa 30 Luxemburgerinnen und ein Kleinkind. Einige von ihnen befürchteten, dass sie >>zusammen mit dem Kahn auf offener See versenkt werden<< sollten. Den polnischen Offizieren gelang es schließlich, die drohende Panik auf dem Schiff zu verhindern und die angespannte Situation zu beruhigen. Letztendlich erreichte man am 13. April, nach einer Fahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal, Kiel-Holtenau. Unter sehr erbärmlichen, menschenunwürdigen Umständen erfolgte anschließend der Marsch durch die Stadt Kiel nach Hassee ..."Und von Da aus ins das KZ in Russee. Gut KnoopDas Gut Knoop hatte im Zweiten Weltkrieg 27 Tote zu beklagen52. Im Mai 1941 wurden mehrere Wirtschaftsgebäude durch Brandbomben zerstört, darunter zwei strohgedeckte Scheunen aus dem Jahre 1801. Leider ging auch das kostbare Mobiliar des Gutes während des Zweiten Weltkrieges verloren und im November 1948 wurde zudem "herrenloses" Mobiliar durch die britischen Besatzer an Bedürftige verteilt.In den letzten Kriegstagen wurden auf dem Knooper Gelände drei auf der Prinz-Heinrich-Brücke aufgefaßte in Hamburg entflohene sowjetische Kriegsgefangene erschossen und im so genannten "Russengrab" beigesetzt, daß sich zwischen 1945 und ca. 1960 im Rondell am Eingang zum Gut befand. |
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