Gut Knoop ![]()
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Westlich Holtenaus in der Nähe des Alten Eiderkanals liegt Gut Knoop, das durch den Bau des Eiderkanals direkt betroffen wurde. Das heute bestehende Herrenhaus wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch den Architekten Axel Bundsen neu errichtet und in seiner Lage auf den Kanal ausgerichtet. Der heute bestehende Bau gilt als einer der der bedeutendsten klassizistischen Bauwerke Schleswig-Holsteins. Das 1322 zum ersten Mal urkundlich erwähnte Gut Knoop, dessen Name im Niederdeutschen so viel wie “Knauf” oder “Buckel” bedeutet, ist eng mit der Holtenauer Geschichte verbunden und wurde 1322 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das ursprüngliche Wasserschloß Knoop (“Arx Cnopia”) war rings von Wassergräben umgeben, die aus der Levensau gespeist wurden. Das Haus hatte ein fensterloses Erd- oder auch “Wassergeschoß”, zwei Stockwerke und auf dem Giebeldach drei Erker auf jeder Seite. Gründer des Gutes mag ein 1322 urkundlich erwähnter “Lupus de Knope” (Wulf / Wolf von Knoop) gewesen sein, der den Besitz kurz zuvor erworben hatte. Der Name Wulf/Wolf findet sich auch heute noch im Wappen der Gemeinde Altenholz wieder – ein an einem Baum hoch springender Wolf. Die Familie der Wulff war nach den Familien der Sehestedt und Schinkel die dritte Holsteinische Adelsfamilie, die eine Burg dicht nördlich der Eider gründete und die erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1310 erwähnt wurde: “Wulf filius domini Marquardi lupi” = “Wulf, der Sohn des Ritters Marquard Wulf”. Im Dänischen Wohld waren die alten Adelssitze oft zum Schutz in schwer zugänglichen Niederungen – häufig direkt im Wasser – errichtet worden. Da die Kosten für steinerne Fundamente jedoch sehr hoch waren, wurden die Häuser oft auf einem Pfahlrost gebaut. Mit Längen von 30 bis 40 Ellen (20–27 m) und Breiten von 15 bis 20 Ellen (10–13,5 m) waren diese Bauten nicht besonders groß. In den gewölbten Kellerräumen des Erdgeschosses befanden sich neben den Vorratsräumen und der Küche auch die Räume der Bediensteten. In den beiden oberen Stockwerken befanden sich die Familien- oder “Winterstube”, der so genannte Saal oder “Sommerstube”, die übrigen Räume dienten als Schlafgemächer, Gästezimmer oder Waffenkammern. Noch vor 400 Jahren gehörte fast der gesamte südliche Dänische Wohld – und damit auch das Dorf Holtenau
– zum Knooper Gutsbesitz. Davon blieben im 20. Jahrhundert nur noch die
Güter Knoop und Friedrichshof übrig. Im 13. Jahrhundert war Gut Knoop
im Besitz der Familie von der Wisch, der zudem noch die Güter Bülk, Borghorst und Rosenkranz/Schinkel gehörten.
Um 1450 ging Knoop dann in den Besitz der Familie von Rantzau über.
Christoph von Rantzau schließlich teilte den Gutsbesitz unter seinen
Söhnen auf. Aus dieser Teilung entstand auch das Gut Seekamp, dem auch Holtenau zugeschlagen wurde. Obwohl es nur wenige Kilometer von Holtenau entfernt liegt erreichte man das Gut Knoop noch bis zum Zweiten Weltkrieg nur über den Nixenweg, dessen Reste heute nur noch als Trampelpfad nördlich der Straße Waffenschmiede entlang führend in die heutige Gravensteiner Straße mündet. Gut Knoop und der EiderkanalDie Trasse des Eiderkanals führte wie heutzutage die des Nord-Ostsee-Kanals in wenigen hundert Metern Entfernung südlich des Gutshauses entlang. Die ehemalige Wasserburg lag früher östlich des jetzigen Gutshauses am Beginn der alten Gutsallee. Das heute bestehende Knooper Herrenhaus wurde in den Jahren 1792-96 durch den dänischen Architekten Axel Bundsen (*1768, †1832) für Heinrich Friedrich Graf von Baudissin neu errichtet und in seiner Lage auf den sich direkt vor dem Herrenhaus vorbei windenden Eiderkanal ausgerichtet. Erste Planungen aus den Jahren 1782/83, mit denen der Baumeister Carl Gottlob Horn beauftragt wurde, hatten noch den bloßen Umbau der ehemaligen Wasserburg vorgesehen, kamen aber nun vermutlich auch wegen des bevorstehenden Kanalbaus nicht mehr zur Ausführung. Das von Axel Bundsen entworfene Herrenhaus gilt als eines der bedeutendsten klassizistischen Bauwerke Schleswig-Holsteins. Das Innere des Herrenhauses wurde von eigens aus Italien engagierten Künstlern opulent ausgestaltet, wobei der dabei getriebene Aufwand das Landesübliche bei weitem übertraf. Die Arbeit auf Knoop hatte für Bundsen auch private Folgen, heiratete er im Jahr 1801 doch die Tochter des Gärtners von Gut Knoop. Die beiden Kavaliershäuser stehen bereits seit 1785. Während Bundsen das neuen Herrenhaus baute, blieb der Entwurf des umgebenden neuen Landschaftsparks Carl Gottlob Horn überlassen. Dabei bezog er das Kanalufer in die Gestaltung mit ein. Ein hölzerner Pavillon erlaubte den Blick auf die Knooper Eiderkanalschleuse. Durch den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals wurde der ursprüngliche Landschaftspark leider bis auf wenige Rudimente zerstört. Treibende Kraft bei der Gestaltung des neuen Herrenhauses war Graf Baudissins Frau Caroline (*1759, †1826), eine Tochter des dänischen Schatzmeisters Heinrich Carl Schimmelmann, der durch Geschäfte während des Siebenjährigen Krieges und durch den karibischen Sklavenhandel, den so genannten “Dreieckshandel”, zu enormen Reichtum gelangt war. Nicht umsonst war Schimmelmann einer der größten europäischen Sklavenhalter. Dieser in der Familie vorhandene Reichtum, der sich nicht zuletzt auf
das Elend der Sklaverei gründete, ermöglichte es
Schimmelmanns Schwiegersohn Graf von Baudissin überhaupt erst
jahrzehntelang ohne einträgliche Staatsämter das Gut Knoop zu
führen, es mit teuren Bildern und Möbeln auszustatten und
einen eigenen Architekten und eigenen Maler zu beschäftigen. Auf
einem sich heute im Herrenhaus Friedeburg befindlichen Gemälde
eines unbekannten Künstlers aus der Zeit um 1800, das einen
Innenraum des Gutes Knoop darstellt, sieht man Joseph Graf von Baudissin
– einen der Söhne des Hauses – mit einem Spitz spielend und einem
Schwarzen – “Christoph Tafeldecker” genannt – im Livree, der im
Hintergrund durch eine Tür das Zimmer betritt. Tafeldecker war einer jener “Kammermohren”, mit denen der Sklavenhändler Schimmelmann die schleswig-holsteinische Adelsgesellschaft versorgte; ein Geschenk an seine Tochter Caroline Baudissin, ein von den Plantagen der Karibikinsel St. Croix in den Norden verpflanzter Sklave. Im Jahr seines Todes 1803 wird er bei der Volkszählung in Knoop als “Christop Petersen, Neger und Tischdecker, 38 Jahre alt” erwähnt. Der Kammermohr Christoph machte nicht nur auf die Gäste großen Eindruck, sondern auch auf das leibeigene Kammermädchen, das ein Kind von ihm erwartete, jedoch im Kindbett starb, das 1795 geborene Mädchen erhielt den Namen Johanna. Später heiratete Christoph und zeugte noch zwei weitere Kinder. Über ein Gemälde, das auch den Tafelmooren von Knoop abbildet, findet sich folgende Beschreibung:
Zusammen mit Gut Emkendorf bildete Gut Knoop um 1800 eines der kulturellen Zentren der schleswig-holsteinischen Adelsgesellschaft. Caroline von Baudissin war schon aufgrund ihrer Herrkunft kulturell interessiert und der Aufklärung verpflichtet. Ihr Schwager war Fritz Graf Reventlow auf Emkendorf, wo wie auf Gut Knoop ein literarischer Zirkel vieler berühmter Zeitgenossen, zu denen auch Herder, der an Caroline das Gedicht “An Cornelia” ewidmete, und Klopstock gehörten, verkehrte. Auch als Schriftstellerin machte sie sich einen Namen und das von ihr im Jahre 1792 verfaßte Werk “Die Dorfgesellschaft, ein unterrichtendes Lehrbuch für das Volk” richtete sich an die Landleute ihres Besitzes. Während auf Gut Seekamp die Leibeigenschaft bereits 1790 endete, wurde sie auf Gut Knoop – in einem heutzutage nur schwer zu verstehenden Gegensatz zur dort vorgelebten aufklärerischen Gesinnung – erst zum 1. Januar 1805, d. h. zu dem letzten für ganz Dänemark festgesetzten Termin, aufgehoben. In seiner langen Geschichte wechselten mehrmals die Eigentümerfamilien des Gutes, das in den Besitz bedeutender Adelsfamilien wie der Rantzaus, Buchwaldt oder Ahlefeldts gelangte, bis das Gut schließlich im Jahr 1869 mit dem in Mexiko zu Reichtum gelangten dänischen Kaufmann Ingward Martin Clausen (*1822, †1902) aus Hadersleben den ersten bürgerlichen Besitzer sah. Grund für den Verkauf mögen die hohen Spielschulden Caroline von Baudissins bzw. eine Spielwette um das Gut Knoop gewesen sein. Clausen ging mit 20 Jahren als kaufmännischer Angestellter nach St. Thomas / Westindische Inseln, die damals zu Dänemark gehörte, erwarb dort ein erhebliches Vermögen und ging nach Monterey, heiratete eine Mexikanerin, mit der er 15 Kinder hatte. Im Jahre 1903 kam Gut Knoop, zu dem damals noch der Hof Friedrichshof
gehörte, in den Besitz des Bremer Kaufmannes Heinrich Gerhard
Richard Hirschfeld, dessen Nachkommen heute noch das Gut bewirtschaften.
Im Jahre 1912 wurde anstelle des ehemaligen hölzernen Pavillons
ein durch den Bremer Architekten und Dichter Rudolf Alexander
Schröder (*1878, †1962) entworfener Gartentempel mit Ausblick auf
den Kanal erbaut. Nachdem Heinrich G. R. Hirschfeld bereits 1916 starb wurde das Gut über vier Jahrzehnte von dessen Witwe geführt. Die kulturelle Tradition des Gutes setzte sich auch unter der Familie Hirschfeld fort. So ist der Gartentempel in Knoop ein seltenes erhaltenes architektonisches Werk Schröders. Kontakte bestanden auch zu Malern wie Max Liebermann, der 1908 ein Portrait der Schwiegermutter Gerhard Friedrich Hirschfelds schuff. Der Gartentempel mit seinen 20 Quadratmeter großen Innenraum, der nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend verfallen war, wurde in jüngster Zeit durch den Kieler Architekten Horst Krug und mit Mtteln der öffentlichen Hand restauriert. Von den 60.000 Euro Gesamtkosten übernahm die Familie Hirschfeld 15.000 Euro plus einer Menge an Eigenleistung. Nun steht der denkmalgeschützte Bau jetzt auch der Öffentlichkeit zur Verfügung und es ist in den Sommermonaten auch möglich, hier standesamtlich zu heiraten. Knoop als AusflugszielDer Eiderkanal bei Knoop samt Schleusenanlage war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel der Kieler Gesellschaft. Hier konnte man das Durchschleusen der Schiffe beobachten und wie sie dann weiter den Kanal entlang getreidelt wurden. Oft wurde von Knoop aus noch ein Spaziergang zum Dorf Holtenau unternommen. Von einem solchen berichtet der Reiseschriftsteller Johann Gottfried Seume (*1763; †1810], der 1805 von Kopenhagen aus kommend die Stadt Kiel und ihre Umgebung besuchte:
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![]() Abb.: Die Wasserburg Knoop. ![]() Abb.: ![]() Abb.: ![]() Abb.: |
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