Der Kaiser-Wilhelm-Kanal ![]()
Der Nord-Ostsee-Kanal trug diesen Namen von 1895 bis 1948, bezeichnet nach Kaiser Wilhelm I, zu dessen Regierungszeit der Kanalbau begonnen wurde. Durch den Kanal ist die gefahrvolle Umrundung Skagens unnötig und der Seeweg um über 400 Seemeilen verkürzt.
Bereits während des deutsch-dänischen Krieges gab es seitens Preußens Überlegungen über eine neue Verbindung zwischen Nord- und Ostsee, nicht zuletzt auch in Hinblick auf die Möglichkeit einer deutschen Flotte, in kurzer Zeit zwischen beiden Meeren passieren zu können. 1854 begann der Bau des preußischen Kriegshafens Wilhelmshafen. Großadmiral Tirpitz plante nicht zuletzt im Hinblick auf die aufkommenden kolonialen Bestrebungen den Aufbau einer Deutschen Kriegflotte. Dies machte einen neuen Kanal umso dringlicher. Preußische Militärs (u.a. der Generalstabschef Helmut von Moltke "Rede gegen den Kanalbau") auch noch nach der Reichsgründung 1871 gegen den Bau aussprachen, da sie seine militärstrategische Bedeutung in Frage stellten und damit das Projekt verhinderten. Die beim Heer angesiedelten Gegner eines Kanalbaus wollten die benötigten Gelder lieber in die Stärkung des Landheeres investieren.
Nach Gründung des Kaiserreiches gewann das Kanal-Projekt erst 1878 wieder neuen Schwungt durch die Initiative des Hamburger Reeders Dahlström und des Wasserbauinspektors Boden, die einen Plan vorlegten, der sich mit der "Ertragfähigkeit eines schleswig-holsteinischen Schiffahrtskanals" befaßte.
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Anders als beim Eiderkanal sollte der neue Kanal im Westen nicht in die Eider, sondern bei Brunsbüttel in die Elbe münden. Dahlstöm war von einer Aktionengesellschaft unter Beteiligung des Deutschen Reiches ausgegangen und hatte daher auch den ökonomischen Aspekt berücksichtigt. Ökonomisch wäre es günstiger gewesen, wäre der Kanal bei Eckernförde in die Ostsee gemündet. Da jedoch Kiel zum Haupthafen der kaiserlichen Marine wurde, gab es stichhaltige Gründe für diesen Plan, auch wenn es finanziell günstiger geworden wäre, den Kanal bei Eckernfärde statt in Kiel münden zu lassen. Großadmiral Tirpitz ging daher auch von einer alleinigen Finanzierung des Kanalbaus durch das Deutsche Reich aus. So begann schließlich der Kanalbau, auch wenn es seitens des Generalstabes Kritik an der strategischen Bedeutung des Projektes gab.
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Reichskanzler Otto von Bismarck konnte sich schließlich durchsetzen und Wilhelm I für die Kanalidee gewinnen. 1883 ergeht seitens des Kaisers der Auftrag, Beratungen über den eines Kanals mit den für die Flotte notwendigen Maßen aufzunehmen und 1886 wird das "Gesetz betr. die Herstellung des Kanals" wurde durch Kaiser Wilhelm I. unterzeichnet.
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Die Zahl der am Kanalbau Beschäftigten lag zu Beginn bei 3.000 Mann und stieg bis 1892 auf 8.900 an. Neben Deutschen war auch ein nicht geringer Teil der Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben, hauptsächlich aus Polen, Rußland und Italien. Es wurde neben der reinen Menschenkraft die damals modernste Technik eingesetzt: speziell für den Kanalbau entwickelte Eimerkettenbagger, schwimmende Eimerkettenbagger und Lorenbahnen zum Transport des Aushubs.
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Gleichzeitig gab es für die am Bau beteiligten Unternehmer genaue Bestimmungen hinsichtlich ihrer Arbeiter, die ein Mindestalter von 17 Jahren haben mußten bzw. bei einem Alter ab 15 nur in Begleitung ihrer Väter zugelassen waren.
Als Arbeiterunterkünfte wurden an der Baustrecke entlang mehrere Barackenlager errichtet und dort wurde dann auch für die Verpflegung gesorgt. Diese Lager wurden durch Offiziere geleitet und nach militärischem Vorbild organisiert. Neben der medizinischen Versorgung war auch die seelsorgerische Betreuung der Arbeiter durch Geistliche geregelt. Hier liegt auch die Keimzelle der Holtenauer Kirchengemeinde begründet.
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Die Grundsteinlegung wurde am 3. Juni 1887 durch Kaiser Wilhelm I (1797 - 1888) vollzogen. In der Bauphase von 1887 bis 1895 waren bis zu 8000 Menschen am Kanalbau beteiligt und es wurden ca. 80 Millionen m² Erdreich bewegt.
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Abb.:
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Schließlich hatte der Kanal eine Länge von 100 km, ein Breite von 67 Metern und eine Tiefe von 9 Metern. Es wurden zwei Hochbrücken (Grünental und Levensau) mit einer Durchfahrtshöhe von 42 Metern errichtet, dazu kamen weitere 4 Dreh- und Schwimmbrücken sowie 14 Kanalfähren. In jenem Jahr hatte Holtenau gerade 1028 Einwohner.
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Obwohl der neue Kanal im Gegensatz zum Eiderkanal ein reiner Durchstichkanal war, d.h. es keine Höhen zu überwinden gab, schotteten zwei Schleusen den Kanal vor den Schwankungen des Wasserstandes ab. Schiffe mit bis zu 135 m Länge, 20 m Breite und 8 m Tiefgang konnten fortan den neuen Kanal befahren. Wegen der Brücken betrug die Mastenhöhe 40 Meter. Die Schlußsteinlegung am 21. Juni 1895 durch Kaiser Wilhelm II vollzogen. Die Bausumme betrug 156 Millionen Goldmark. In der "Drei-Kaiser-Halle" des Holtenauer Leuchtturms wurde dem Kanalbau und den während seiner Bauzeit regierenden drei Kaisern gedacht.
Zum Dank für das gute Gelingen des Kanalbau-Unternehmens wurde in Holtenau hoch über dem Kanal die "Canal-Dankeskirche" errichtet.
Zunehmendes Verkehrsaufkomen und Entwicklung von Großkampschiffen (als Reaktion auf die englischen "Dreadnoughts") machten bald eine Erweiterung des Kanals nötig. Die Kaiserliche Marine forderte, daß Kriegsschiffe mit bis zu 18.000 Tonnen den Kanal befahren konnten. Daher wurde beschlossen, die Breite des Kanals zu verdoppeln. Die Kurvenradien des Kanals wurden vegrößert und seine Linienführung verbessert.
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Das Kanalbett wurde auf über 103 Meter Breite und 11 Meter Tiefe erweitert und es mußten größere Schleusenkammern mit 330 m Kammerlänge, 45 m lichter Breite und 14,10 m Sohlentiefe gebaut werden. Sie werden am 14. Juni 1914 eingeweit und waren zu dieser Zeit die größen Schleusen der Welt.
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Abb.:
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In Holtenau wurde die bisherige Schwimmbrücke (Pramdrehbrücke) 1912 nach dreijähriger Bauzeit durch die "Prinz-Heinrich-Brücke" ersetzt, die 1992 abgerissen wurde. Durch die Erdarbeiten bei der Kanalerweiterung kam es zum Versiegen vieler Holtenauer Brunnen, so daß 1912 die ersten Wasserleitungen verlegt werden mußten. Übergangsweise wurde in der Richterstraße ein auf einem Metallgerüst stehender Wasserbehälter errichtet, der vom Kanal her vollgepumpt wurde.
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Abb.:
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Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Versailler Vertrag wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal 1919 zu einer "internationalisierten Wasserstraße" erklärt:
"Der Kieler Kanal und seine Zugänge sollen allen mit Deutschland im Frieden befindlichen Nationen für ihre Handels- und Kriegsschiffe gleichberechtigt frei- und offen stehen."
1948 wird der Kaiser-Wilhelm-Kanal in "Nord-Ostsee-Kanal" umbenannt.
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