Der Eider-Kanal (Schleswig-Holsteinischer Kanal)

Der vor mehr als 200 Jahren gebaute Eider-Kanal (auch "Schleswig-Holsteinischer Canal" genannt) war der direkte Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals und verlief teilweise auf der selben Route. Noch heute kann man ein erhaltenes Teilstück samt einer restaurierten Schleusenanlage westlich von Holtenau bei Rathmansdorf besichtigen.

Frühe Transportwege durch Schleswig-Holtstein

Der Eiderkanal ist nicht der erste Vorläufer des Kaiser-Wilhelm-Kanals bzw. Nord-Ostsee-Kanals. Bereits im 7. Jahrhundert verfrachteten Wikinger über die nur 15 km breite Landenge zwischen Haithabu an der Schlei und der Treene bei Hollingstedt Handelswaren. Später werden Waren die Eider aufwärts bis zum Flemhuder See transportiert und dann auf dem Landweg bis zur Ostsee gebracht. Im 14 Jahrhundert wurde über den Stecknitz-Kanal das wertvolle Salz aus Lüneburg verschifft. Im 16. Jahrhundert verband der Alster-Beste-Kanal die beiden Hansestädte Lübeck und Hamburg.

Der Schleswig-Holsteinische-Kanal (später auch Eiderkanal genannt)

Der Schleswig-Holsteinische-Kanal wurde von 1777 bis 1784 unter der Herrschaft König Christian VII von Dänemark gebaut. Der Kanal hatte eine Länge von 43 km, eine Breite von 31 Metern, eine Tiefe von 3,45 Metern und verband die Kieler Förde bei Holtenau und Rendsburg. Dabei verlief er über das Tal der Levensau bis zum Flemhuder See und über das erweiterte und begradigte Flußbett der Eider.

Der Schifffahrtsweg führt dann über die Eider weiter bis nach Tönning und mündet dort in die Nordsee. Die Passage dauert drei Tage und die Schiffe müssen bei ungünstigem Wind getreidelt (vom Ufer aus gezogen) werden. Zeitweise waren bis zu 3.000 Mann an der Bau beteiligt. Der Kanal galt als die modernste Wasserstraße Europas. Bei diesem Kanalbau wurden bereits Maschinen eingesetzt, die mit Menschenkraft betrieben wurden. Der Kanalbau erfolgte in mehreren Abschnitten:

  • 1. Abschnitt Kieler Förde bis Knoop (Juni 1777 - Oktober 1778)
  • 2. Abschnitt Knoop bis Neuwittenbek (Frühjahr 1778 - Herbst 1779)
  • 3. Abschnitt Neuwittenbek bis Flemhuder See (April 1780 - Oktober 1778)
  • 4. Abschnitt Flemhuder See bis Rendsburg (Fertigstellung 1784)
Mit Hilfe von 6 Schleusensanlagen wurden die 7 Meter Höhenunterschied überwunden, wobei die Schleusen bei Holtenau, Knoop, Rathmannsdorf dem Anstieg und die bei Klein-Königsförde, Kluvensieck und Rendsburg dem Abstieg der Schiffe dienten.

Der Verkehr auf dem Kanal kam nur langsam in Gang, wurde er doch durch Gebühren behindert, die der dänische Staat erhob, um allzu große Verluste beim "Sundzoll" zu verhindern. Den höchsten Stand an Passagen erreichte man 1872. Jedoch zeigte sich bald, daß die Fahrt über den Kanal nicht nur zu lang, sondern der anschließende Weg durch das Wattenmeer äußerst gefährlich war. Schuld an dem relativ langen Passagezeiten waren auch die Bedingungen, unter denen der Kanalverkehr stattfand.

Schon ein halbes Jahrhundert später wurde der Kanal den Ansprüchen der sich rasant entwickelnden Schifffahrt nicht mehr gerecht und nur noch durch die Küstenschifffahrt mit kleineren Fahrzeugen nutzbar. Insbesondere die zunehmend eingesetzten Dampfschiffe und die Kriegsflotte verlangten nach einer neuen Wasserstraße. Es zeigte sich, daß der Kanal eben nur ein Provisorium und für die Küstenschifffahrt des des späten 18. Jahrhunderts dimensioniert gewesen war. Trotzdem blieb der Eiderkanal ein Jahrhundert in Betrieb.

Verfügung, betr. die Verwaltung des Schleswig Holsteinischen Canals und dazu gehörender Schifffahrtsanstalten,

vom 26sten Februar I85O.

Neuerdings angestellte Untersuchungen haben es bestätigt, daß das Fortbestehen der Canalaufsichtscommission in Rendsburg und der dieser Mittelbehörde, neben einem besonderen Sekretariat und Rechnungswesen, untergeordneten Canal- und Lootseninspectorate, für den Geschäftsgang in der Verwaltung des Schleswig-Holsteinischen Canals und der hiemit verbundenen Schifffahrtsanstalten weder nothwendig noch förderlich ist.

Zur Vereinfachung der gewöhnlichen Geschäfte und Verminderung der Ausgaben, sowie zur schnelleren Bewerkstelligung längst erforderlicher Verbesserungen, namentlich in der Beförderung der Schiffe durch Zugpferde oder Bugsiren, in dem Lootsen- und Hafenwesen, der polizeilichen Beaufsichtigung der Canal- und Eiderfahrt und der gerichtlichen Erledigung von Sckifffahrtsstreitigkeiten, bat auf eine zweckmäßigere Einrichtung dieses Verwaltungszweiges Bedacht genommen werden müssen.

Demgemäß wird mit Genehmigung der Statthalterschaft Folgendes angeordnet:

§ 1.

Die Canalaufsichtscommission, das Canalsecretariat und besondere Kassireramt, die bisherigen Canal- und Lotseninspectorate werden aufgehoben.

§ 2.

An deren Stelle tritt ein Canalinspector, ein Lootsencommandeur und ein Rechnungsführer, welche sämmtlich dem Finanzdepartement unmittelbar untergeordnet sind.

§ 3.

Dem Canalinspector, welcher vorläufig in Holtenau, demnächst in Rendsburg wohnen wird, liegt selbstständig, unter Oberaufsicht des Finanzdepartements, ob:
Die technische und sonstige Leitung sämmtlicher Bauten an den Canalwerken und Gebäuden, an den Ufer- und Strom-Werken, an den Häfen zu Tönning, Friedrichstadt und Rendsburg, des Ausbaggerns und' der Bebakung des Fahrwassers zwischen der Hohner Fähre und Holtenau. In diesem District führt der Canalinspector die Polizeiaufsicht; er beaufsichtigt ferner die Beförderung der Canalschiffe durch Zugpferde und das Bugsirdampfschiff, sowie die Leuchtfeuer zu Bülk und Friedrichsort. Endlich hat derselbe die in Holtenau vorfallenden Schifffahrtsstreitigkeiten vorläufig zu untersuchen, und, wenn thunlich, vergleichsweise zu schlickten.

Dem Canalinspector untergeordnet sind: ein Assistent, der ihn vorkommenden Falles zu vertreten hat, die Feuerwärter zu Bülk und Friedrichsort, das Brandcorps in Holtenau, die Material- und Packhausverwalter in Holtenau und in Rendsburg, die Schleusen- und Brückenwärter am Canal, die Hafenmeister in Rendsburg und Friedrichstadt, der Baggermeister auf der Untereider.

Kiel, den 26sten Februar 1850.

Schleswig - Holsteinisches Departement der Finanzen.

Während der schleswig-holsteinischen Erhebung gegen Dänemark 1848 entstand der "Kieler Ausschuß zur Begründung einer deutschen Flotte", der sich mit einer neuen Schifffahrtsstraße zwischen der Kieler Förde und der Unterelbe befaßte.

1853 nach der Niederschlagung der Schleswig-Holsteinischen Erhebung ordnete die dänische Regierung an, den 1784 zwischen Rendsburg und Holtenau bei Kiel eröffneten Schleswig-Holsteinischen-Canal, der über die Eider die Nord- mit der Ostsee verband, in Eiderkanal umzubenennen. Ziel war es, den Begriff Schleswig-Holstein aus dem Namen zu tilgen.

Holtenau und der Eiderkanal im Jahre 1881.
Abb.: Holtenau und der Eiderkanal im Jahre 1881.

Der Eiderkanal und der Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals

Während des Kanalbaus war der Eiderkanal - einer Auflage an die Verwaltung folgend - weiterhin in Betrieb geblieben, was sich in der Praxis als überaus kompliziertes Unterfangen erwies, da sich die Linienführung beider Kanäle teilweise deckte, teilweise kreuzte. Zudem lag der Wasserspiegel des Eiderkanals wesentlich höher als der des Kaiser-Wilhelm-Kanals. Es gelang durch komplizierte Bau- und Zeitpläne, mit Hilfe derer die Arbeiten immer wieder unterbrochen und neu terminiert wurden, dafür zu sorgen, daß der Verkehr auf dem Eiderkanal kaum beeinträchtigt wurde.

Der Eiderkanal wurde damals vor allem für die zahllosen Bautransporte benutzt, wobei die Hauptlast auf der Friedrichsschleuse in Holtenau lag, die täglich durchschnittlich 100 Schiffe passieren mußten. Aus diesem Grund wurde auch die alte stillgelegte Holtenauer Eiderkanalschleuse umgebaut und wieder in Stand gesetzt. Sie erfüllte ihre Aufgaben schließlich besser als ihre um viele Jahrzehnte jüngere Schwester. Diese "Schleuse auf Zeit" hatte noch weitere Aufgaben:

  • sie sollte die Kanalbaustrecke nach Osten hin entwässern, bei Hochwasser der Ostsee die Kanalbaustrecke sichern
  • und schließlich einen Großteil des Bodenaushubs durchschleusen, der in der Ostsee verklappt wurde.

Der Eiderkanal heute

Von den 6 Schleusen, die den 6 Meter großen Höhenunterschied zwischen der Kieler Förde und der Eider überwinden helfen, sind heute noch die restaurierten Rathmannsdorfer Schleusen westlich von Holtenau auf einem schönen Wanderweg zu Fuß zu erreichen. Einen weiteren Rest des Eiderkanals bilden der Entwässerungskanal ("Toter Arm") zwischen der nördlichen Schleuseninsel und dem Holtenauer Ufer und der Holtenauer Seglerhafen.

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Abb.: Blick auf die restaurierte Schleusenanlage bei Rathmannsdorf in Richtung Osten. Auf dem Nordufer des Kanals befindet sich ein Wanderweg, der leider in einem sehr schlechten Zustand ist. Der Fußweg verbindet das Restaurant "Kanalfeuer" mit der renovierten Rathmannsdorfer Schleuse, wo sich auch eine Informationstafel zum Eiderkanal befindet. Zudem ist hier auch das restaurierte Schleusenwärterhaus zu sehen.

Abb.: Inschrift des Obelisken vor dem Kanalpackhaus in Holtenau. Der Obelisk stammt vorher in der Nähe des Restaurants "Fördeblick" und wurde nach der Restaurierung des Kanalpackhauses hier aufgestellt. Der Obelisk ist eine Kopie der ursprünglich an der Mündung des Eiderkanals aufgestellten Obelisken, deren südlicher im Wasser stand und als Ansteuerungsmarke für die Segelschiffe dienen sollte. Der südliche Obelisk wurde bereits nach kurzer Zeit umgesegelt und durch eine hölzerne Tonne ersetzt. Die Aufschrift lautet übersetzt "Für das Vaterland und das Volk"

Abb.: Eiderkanalschleuse bei Knoop. Über die rechte Schleusenkammer führt eine aufklappbare Brücke im holländischen Stil. Die linke kleinere Kammer diente nur der Wasserregulierung.

Abb.: Stich des Kanalpackhauses und seiner Nebenhäuser. Man kann die beiden Obelisken an ihren ursprünglichen Standorten erkennen. Zudem fällt auf der linken Seite des Stiches das Fehlen jeglicher dörflicher Bebauung auf. Zu dieser Zeit lag das Bauerndorf Holtenau noch ca. einen Kilometer vom sogenannten "Kanaldistrikt" entfernt.

Abb.: Alter Eiderkanal bei Holtenau,im Hintergrund links das Kanalpackhaus. Schon auf diesem Bild sieht man das Holzlager, daß sich noch bis vor wenigen Jahrzehnten vor dem Packhaus befand.
Die alte Friedrichsschleuse vor dem Abriß 1893.
Abb.: Die alte Friedrichsschleuse vor dem Abriß 1893.
Gedenkstein an der Rathmandorfer Schleuse.
Abb.: Gedenkstein an der Rathmannsdorfer Schleuse.

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