Kaiserliche Besuche ![]()
Nicht nur
bei seiner Einweihung im Jahre 1895 erhielt der Kanal Kaiserlichen
Besuch, auch während der Bauphase ließ es sich Wilhelm II.
nicht nehmen, immer wieder dem werdenden Kaiser-Wilhelm-Kanal oder der Levensauer Hochbrücke einen Besuch abzustatten,
wie es auch der folgende Zeitungsbericht aus dem Jahre 1889 beschreibt:“Schon am frühen Morgen war der Kaiser heute zu Pferde mit seinem Gefolge auf der Holtenauer Landstraße zu sehen und widmete dann den Vormittag einem Besuche der Mündung des Nord-Ostsee-Kanals. Der Kaiser wurde des Gebietes ansichtig, wo er einst an der Seite seines Großvaters der Grundsteinlegung der Nord-Ostsee-Kanal-Schleusen beigewohnt hatte. Auf dem Grundstein selbst thronte die bronzierte Kolossalstatue der “Germania”. Das ganze Gebiet am Kanal prangte im Flaggenschmuck. Die Jacht glitt schnell auf dem Wasser bis zur Holtenauer Schleuse, wo das Schleusen einen längeren Aufenthalt notwendig machte.Am 7. Juni 1892 traf sich Wilhelm II. sogar mit dem Zaren Alexander III. von Rußland und besichtigte die Holtenauer Schleuse, wobei weitere hochgestellte Persönlichkeiten wie Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, oder Wilhelms Vetter Großfürst Nikolai, der spätere Zar Nikolaus II., mit von der Partie waren. Anwesend war bei dieser Besichtigung zudem der Präsident des Kaiserlichen Kanalamtes Carl Loewe. Wilhelm II. hatte selbst am 21. Juni 1893 den Grundstein der Levensauer Hochbrücke gelegt und diese nach ihrer Fertigstellung am 3. Dezember 1894 eingeweiht. Dabei ging die Konzeption der Brücke direkt auf den Kaiser zurück, denn ursprünglich war an dieser Stelle eine Drehbrücke geplant gewesen. Der Bau von Brücken war gerade in tief liegendem Gelände schwierig und teuer und nur bei Grünenthal und Levensau bot sich der Bau einer Hochbrücke wegen der dortigen hohen Uferböschungen an. Schließlich übertraf die Levensauer Hochbrücke die Spannweite der am 3. Dezember 1894 eingeweihten Grünthaler Hochbrücke noch um 8,5 Meter. Die Konstruktion beruht auf zwei 163 Meter langen Stahlbögen, die beiden Brückenköpfe besaßen ein Portal mit jeweils zwei 70 Meter hohen Türmen. Alleine die Überbauten aus Schweiß-, Gußeisen und Stahl über den beiden Bögen hatten ein Gewicht von mehr als 2.800 Tonnen. In einem zeitgenössischen Zeitungsartikel wurde folgendermaßen über das Lieblingskind des Kaisers berichtet: “Der Bau der Hochbrücke bei Levensau hat bedeutende Fortschritte gemacht. Das in Form eines riesigen Bogens den Kanal überspannende, von Hunderten und aber Hunderten von Balken und Streben getragene Baugerüst ist auf einer Überseite mit einem sicheren Bohlenbelag versehen, so daß Handwerker sich ungefährdet überall bewegen können. Oberhalb des Bogens ruhen auf eisernen Säulen zwei Laufkräne, welche die meistens auf dem Wasserwege angefahrenen Eisenteile für die eigentliche Brücke heben. Mit großem Fleiß wird an den Brückenpfeilern gearbeitet. Der Hauptpfeiler erhebt sich schon fast bis zum Bahnniveau. Die vier Haupttürme der Brücke werden außer mit sonstigem architektonischen Schmuck auf der West- und Ostseite noch durch je einen Wappenschild geschmückt werden, die aus einem im Relief in Sandstein gearbeiteten heraldischen Reichsadler bestehen. Ihre Höhe beträgt etwa 4,2 Meter, die Breite etwa 2,7 Meter. Jeder Schild wird aus acht Werkstücken zusammengesetzt, deren Farbe und Korn genau zusammenpassen müssen. Dem Vernehmen nach ist die Ausführung der Arbeiten und Lieferungen für die Wappenschilder der Kieler Bildhauerfirma Schlauch & Rößler, A. Müllenhoff Nachf., übertragen worden.”Am 21. Juni 1911 besichtigte der Kaiser an Bord seiner Jacht “Hohenzollern” auch die Arbeiten an der Prinz-Heinrich-Brücke. Eine patriotisch gefärbte Momentaufnahme des Kanalbaus liefert auch der Bericht über einen Besuch von Mitgliedern des Görlitzer Gewerbevereins aus dem August 1892: “Um 3 Uhr wurde per Extradampfer nach Holtenau gefahren, um die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals zu besichtigen. In liebenswürdiger Weise waren Führer dem Verein gestellt und, und ein königlicher Baumeister erklärte dem Trupp, welchen ich mich angeschlossen, in klarer und eingehender Form den Bau. Man kann sagen, dieser Bau ist ein Triumph der deutschen Baukunst, und man kann getrost der Benutzung entgegensehen, wenn man die Solidität betrachtet, mit welcher der Bau angefangen und fortgeführt wird. Der Kanal wird 98 Kilometer lang; beide Schleusen sind nur zum Schutz gegen zu hohen und niedrigen Wasserstand gebaut. Es sind zwei Schleusenkammern, welche durch eine 7 Meter breite Mauer getrennt sind. Sie sind 150 Meter lang und 25 Meter breit, also groß genug, die mächtigsten Kriegsschiffe aufnehmen zu können. Mächtiges haushohes Mauerwerk steigt empor aus dem Grunde, groß genug um unsere Peterskirche hineinstellen zu können. Große Thorflügel werden angebracht, um die Schleusen zu schließen. Dieselben haben eine Stärke von 6 Metern, und legt man alle 24 Thorflügel übereinander, so bekommt man die respektable Höhe von 144 Meter heraus. Der Granit, welcher zum Bau verwendet wird, stammt aus Schweden. Aus der uns bekannte Stampfbetonstein findet zur Ausfüllung Verwendung. Der Besuch des Museums war auch sehr interessant. Die dort befindlichen Karten wurden von dem königlichen Baumeister eingehend erklärt. So war u. A. auch die sogenannte ’Kaviarkarte’, welche ihren Namen von den vielen Punkten hat, die sich um den Rand der Festländer herumziehen. diese schwarzen Punkte bezeichnen die Schiffe, welche in der Zeit vom Jahre 1868 bis jetzt an den Küsten dort zu Grunde gingen. Es sind dies nicht weniger als 6300. Eine traurige Zahl, welche verschwinden wird, wenn der Kanal dem Betriebe übergeben sein wird. [...]Besuche des Kaisers oder seiner Familie gab es auch bei der Einweihung der Dankeskirche, der Einweihung der Prinz-Heinrich-Brücke oder auf der Seeflugstation Holtenau. |
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