Die ehemaligen Holtenauer Gaststäten

In früheren Tagen war Holtenau ein beliebtes Ausflugsziel der Kieler. Daher gab es eine Vielzahl an Ausflugslokalen, Gaststätten und Schänken - auch für die Seeleute, die den Eiderkanal oder später den Kaiser-Wilhelm-Kanal befuhren. Ein Spaziergang von Holtenau nach Knoop war damals sehr beliebt.

Die Wartehalle


Existiert auch heute noch unter dem Namen "Gasthaus Foerdeblick". Die 1893 als Warteraum für die Holtenauer Lotsen gebaute “Wartehalle” am Holtenauer Leuchtturm hieß später "Fördeblick" und wurde erst im Jahre 1925 zu einer Gaststätte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus von den Briten beschlagnahmt, in Wohnungen unterteilt und mit einem Stacheldrahtzaun geschützt. 1919 wurde in der Wartehalle der "Deutsche Lotsenbund" gegründet.

weiter zur Wartehalle ...


Mähls Wald-Café


Lag in der Nähe der "Jeanettenhöhe" im Voßbrook mit Blick auf die Kieler Förde und wurde beim Bau des Flugplatzes abgerissen. Die Gartenwirtschaft wurde von zwei älteren Damen geführt. Mit Holztischen und -bänken war sie ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Biergarten aus konnte man auf die Förde und den Holtenauer Badestrand blicken. Zur Restauration gehörte auch die Lucht’sche Kate, die von Karl Lucht und seiner Frau Anna, einer geborenen Mähl, bewohnt wurde.

Schmidts Gasthof


“Schmidt’s Gasthof” stand ungefähr an der Stelle, an der jetzt die neue “Waffenschmiede” steht. Hier fand nach dem Brand der Holtenauer Schule zwei Jahre lang der Schulunterricht statt. Im Zuge der Kanalerweiterung von 1907-14 wurde das Gebäude abgebrochen. Ein Teil des Abbruchmaterials wurde im Haus Kanalstraße Nr. 17 verbaut wie z. B. das Fachwerk, das im oberen Teil des Hauses zu sehen ist.

Die Waffenschmiede


In der heutigen Gravensteiner Straße befand sich gegenüber der Jaegeralle der 1711 gegründete Dorfkrug "Zur Waffenschmiede". Hier wurden 1909 der TuS Holtenau und 1929 der Lotsengesangsverein "Knurrhahn" gegründet. Die Gaststätte erhielt ihren Namen aufgrund der Tatsache, daß sie vom Dorfschmied betrieben wurde, der von 1900 an antike Waffen sammelte und diese in der Gaststätte zur Schau stellte. Die Gaststätte wurde Sommer 1944 durch Brandbomben (siehe Zweiter Weltkrieg) zerstört.

weiter zur Waffenschmiede ...

Gasthof zum Kaiser-Wilhelm-Kanal / Ramms Gasthof

“Ramms Gasthof” in der Kanalstraße, vorher “Zum Kaiser-Wilhelm-Kanal”, dann “Krauses Gasthof” und “Butjes Gasthof”. Hier fanden oft Kasperletheater für  die kleinen Holtenauer statt. An dieser Stelle wurde später ein Hochhaus für Bundeswehrangehörige in den Hang hinein gebaut. Vielen Holtenauern noch bekannt war “Tante Rosa”, die dort Ende der 50er Jahre als Toilettenfrau arbeitete. Bei ihr konnten viele Seeleute übernachten, wenn sie in Holtenau kein freies Quartier mehr finden konnten.


Hotel zur Hochbrücke


Das vor dem Ersten Weltkrieg von Herrn Härtel gebaute “Hotel zur Hochbrücke” lag auf Höhe der Richthofenstraße Nr. 65 gegenüber der Gravensteiner Straße und ist im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt. Im großen Saal auf der Ostseite des Hotels standen auch Turngeräte des Holtenauer Turnvereins, der dort Übungsstunden abhielt. Es wurde dann wieder aufgebaut. 1983 wurde das Gebäude abgerissen und durch den heutigen Komplex ersetzt. Nach dem Krieg ließ sich im Garagenanbau auf der Westseite der Sattlermeister Jegliewski nieder.

Bergwirtschaft "Zur schönen Aussicht"

Die “Bergwirtschaft Zur Schönen Aussicht” von Jan Siebolts de Vries war ein Gartenrestaurant am Berghang östlich der Kastanienallee, wo sich heute der Aufgang zum Kurt-Engert-Haus befindet. De Vries betrieb in Holtenau zudem ein Schiffsausrüstergeschäft.

Restaurant zur Kanalmündung

Das Lokal “Zur Kanalmündung” von Theodor Hertel gegenüber der Kohlenhandlung Grimm in der Kanalstraße Nr. 69 neben dem Kanalpackhaus. Es war zwischen die Häuser geklemmt und wurde abgerissen. Nebenan befand sich bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die ehemalige Pferdehalterei von Bauer Schulz, in der zu Zeiten des Eiderkanals die Treidelpferde bereitstanden.

Gasthof Friedrichschleuse


Die Gaststätte “Friedrichschleuse” lag bei der Prahmschwimmbrücke und wurde während der Kanalerweiterung 1907-14 abgebrochen. Die Gaststätte wurde unter anderem von Herrn Bode als auch von Johannes Hamester betrieben. Ihren Namen verdankte sie der jüngeren der beiden Holtenauer Eiderkanalschleusen.

Café Günther


Das “Café Günther” befand sich in den Räumen der heutigen Hafen-Apotheke. Da nach dem Zweiten Weltkrieg alle anderen Holtenauer Lokale durch den Krieg zerstört oder durch britische Besatzung belegt waren, wurde es zum Treffpunkt der Holtenauer.

Café Köpke


Das “Café Köpke” befand sich in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis zur Inflationszeit in der Kanalstraße Nr. 15. Auf dem Hof gab es noch einen Brunnen, der nach dem Zweiten Weltkrieg das Trinkwasser lieferte als die Wasserleitungen zerstört waren. Das Lokal wurde von Frau Grammershof (geb. Köpke) geführt.
Holtenau - Cafe Köpke

Hotel International


Das “Hotel International” wurde nach 1933 dem damaligen Zeitgeist folgend zum “Hotel National” und nach Kriegsende zum “Hotel Holtenau”. Der Betrieb wurde Ende 1983 eingestellt und der ehemalige Saal abgerissen. Inzwischen befinden sich hier Eigentumswohnungen. Im ersten Stock dieses Hauses übte auch der “Gesangsverein Holtenau” unter Klaus Prigge, der später den Lotsengesangsverein Knurrhahn leitete. Die Bezeichnung “International” war dabei durchaus zutreffend, denn hier übernachtete vor allem internationales Publikum, die Seeleute aus aller Welt. Letztendlich war es dann die zunehmende Beschleunigung in der Seeschifffahrt, die dazu führte, daß die Zahl der Übernachtungen immer mehr zurück ging. Auf dem Nachbargrundstück Kanalstraße Nr. 32a befand sich früher der Saal des Hotel Holtenau, dann ein Kino, später eine Bowlingbahn. Später wurde hier dann ein Neubau errichtet, in dem auch der ehemalige SPD-Oppositionsführer im schleswig-holsteinischen Landtag Jochen Steffen (*1922; †1987) bis zu seinem Tode wohnte.

Obstgarten Holtenau


Der “Obstgarten Holtenau” lag in der Nähe des Holtenauer Badestrandes und war ebenfalls eine Art Lokal. Er wurde von Frau Martha Back geführt. Hier wurden auch alkoholfreie Getränke ausgeschänkt und Kaffee und selbst gemachter Kuchen verkauft.
In “Möllers deutscher Gärtnerzeitung” aus dem Jahre 1903 wird berichtet, daß Fräulein M. Back in Holtenau bei Kiel eine eigene Damen-­Gartenbauschule begründet habe. Hier konnten sich 17jährige Mädchen mit Töchterschulausbildung zu Gärtnerinnen ausbilden lassen.


Villa Hoheneck


Die “Villa Hoheneck” wurde in den Jahren 1902/03 durch das Bauunternehmen Göttsch&Untiedt errichtet und im Laufe der Jahre durch zahlreiche Anbauten erweitert. Seit 1925 wurde sie mit Unterbrechungen als Gastwirtschaft genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren hier Flüchtlinge und ein Kindergarten untergebracht. Westlich der Gaststätte machte der Kaiser-Wilhelm-Kanal einen Bogen nach Norden und folgte damit dem Verlauf des Eiderkanals. Später wurde dieser Teil der Kanalstrecke begradigt. Ein Teil des zum Kanal hin gelegenen Biergartens ging bei der Verbreiterung des Kanals unter den Hochbrücken in den 1990er Jahren verloren.

Eiche Boje


Die “Eiche Boje” in der Kanalstraße Nr. 57 war vorher Lager des Schiffsausrüsters Ankersen, der 1952 seinen Betrieb aufgab.

Bergklause


Die “Bergklause” in der Schwester-Therese-Straße existiert heute noch. Hier gab es vorher ein Geschäft der Familie Harste, davor war hier die Kneipe von Wilke.

Unter den Linden


Den Namen des Lokals “Unter den Linden” habe ich auf einer alten Holtenauer Ansichtskarte gefunden, konnte aber keine weiteren Informationen finden.

Fährstübchen


Das “Fährstübchen” befand sich an Holtenauer Anleger der Kanalfähre und wurde zuletzt von Käthe Zielian geführt. Sein Gegenüber auf der Wiker Seite war das größere “Kiek in”. Diese beiden Kneipen lebten wohl hauptsächlich von den Holtenauern, die auf dem Weg zur Arbeit die Kanalfähre und die Straßenbahnlinie 4 benutzten.

Fliegerklause


Die “Fliegerklause” befand sich am Eingang zum Fliegerhorst im Eekbrook.

Holtenauer Biergarten


Der “Holtenauer Biergarten”, eigentlich “Hotel und Salon” von W. Greve lag am Auberg und wurde anläßlich der Kanalerweiterung 1907-14 abgerissen. Gegründet wurde die Gastwirtschaft 1780 durch Hinrich Soltau, der anläßlich des Eiderkanalbaus in die Gegend gekommen war. Etwas zurück lag die heute nicht mehr existierende Ziegelfabrik Rathmann.


© Bert Morio 2011 [Home] - [Index]