Das Fort Holtenau ![]()
| Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch
Preußen stellte sich die
Frage nach der Verteidigung der Nordflanke des zukünftigen Reiches. Da
man
davon aus ging, daß es sich bei einem solchen Angriff um
Seestreitkräfte handeln würde, Preußen jedoch nur ein schwaches
Potential zur Seekriegsführung besaß und nicht in der Lage gewesen
wäre, einem solchen Angriff durch seine Seestreitkräfte erfolgreich
zu begegnen, mußte der Schwerpunkt auf die Küstenverteidigung gelegt
werden. Der Aufbau einer schlagkräftigen Flotte würde hingegen noch
Jahre brauchen. Oberstes Ziel wurde die Verteidigung der Häfen und
Flußmündungen. Dies galt auch für die Kieler Förde, die in den darauf folgenden Jahren mit einer Reihe von Verteidigungsanlagen ausgebaut wurde. Zentrum dieser Verteidigung wurde die Festung Friedrichsort, die in 10jähriger Bauzeit modernisiert und erweitert wurde. In der weiteren Umgebung der Festung wurden seit 1888 von Schilksee bis nach Holtenau umfangreiche militärische Anlagen errichtet, die einen landseitigen Schutz der Festung Friedrichsort ermöglichen sollten. Das Fort Holtenau wurde von 1887 bis 1888 hinter dem Voßbrook (dem Uferbereich, der zum Holtenauer Meierhof gehörte) landeinwärts hinter der Quarantäneanstalt an der Stelle der ehemaligen Kate Distelrade gebaut und besaß eine Besatzung von 263 Mann (13 Offiziere und 250 Mannschaften), die mit 6 Geschützen bewaffnet war. Das Fort hatte eine trapezförmige Gestalt, wobei die längere Seite mit ca. 220 Metern nach Osten lag. Wie alle Anlagen aus damaliger Zeit hatte es unterirdische Kasematten. Für ein freies Schußfeld in Richtung Kieler Förde wurde ein Teil des Voßbrooker Waldes gerodet. Das damals errichtete Sperrfort befand sich also auf dem Gelände des heutigen Flughafens. Mit der Festung Friedrichsort war das Fort Holtenau durch eine in den Jahren 1887-90 angelegte "Fortifikationsstraße", zu der eine seitliche Lorenbahn gehörte, verbunden, die am Prieser Strand entlang über Stegelhörn (siehe Steckendammsau) und die Muschelkate führte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Fort Holtenau wie alle
anderen
Festungsanlagen geschleift und von 1924 bis 1926 wurden
die Überreste im Rahmen der Erweiterung des Flugplatzes
Holtenau
vollständig beseitigt. Einige Begrenzungssteine des Forts
(sogenannte "Rayonsteine") wurden in den letzten Jahrzehnten
wiedergefunden und an
der Ecke Immelmanstraße-Dittmarweg und nahe der Ecke Gravensteiner
Straße-Kanalstraße aufgestellt. Sie sind die einzigen erhaltenen Zeugen
des
ehemaligen Forts. Mit den Rayonsteinen wurde das sogenannte "Festungsrayon" markiert, d. h. jener Bereich um eine Festungsanlage, in dem es mit Rücksicht auf ein freies Schußfeld gewisse Auflagen gab, z. B. hinsichtlich der Bebauung. So konnten im Kriegsfall Gebäude oder andere Hindernisse innerhalb des Festungsrayons niedergerissen werden, wie es beispielsweise bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges Teilen des Waldes Voßbrook wiederfuhr. |
Abb.:
Fort Holtenau hoch über dem Voßbrook.
Abb.:
Blick in die Kasematten des Fort Holtenau. ![]() Abb: Ein wiedergefundener Rayonstein am Dittmarweg. ![]() Abb.: Rayonstein in der Gravensteiner Straße. |
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