Die Holtenauer Eiderkanalschleusen

Im Gegensatz zu den anderen Schleusenanlagen besaß Holtenau nach dem Bau der Friedrichsschleuse nördlich der ersten Schleuse zwei Schleusen am Eiderkanal, so daß sich zwischen ihnen eine kleine, mit drei Häusern bebaute Insel bildete.

Der Bau der Eiderkanalschleusen stellte für die schleswig-holsteinischen Ingenieure technisches Neuland dar, denn bisher hatte man keine Erfahrung im Bau solch großer Schleusen gemacht. Aus diesem Grunde heuerte man 2 holländische Schleusenbauer an, die dann den Bau der 6 Schleusen leiteten. Die Mauern der Schleusen wurden aus einheimischen Backsteinen gemauert während die Wasserseiten mit holländischen Klinkern und die Kanten mit gehauenen Bornholmer Sandsteinen verkleidet wurden. Alleine für die Holtenauer Schleuse werden über 1,2 Millionen Wasserklinker und 364 Steine aus Bornholm angeliefert. Den Untergrund der Schleusen befestigte man durch das Einrammen von 6 – 12 Meter langen dicht nebeneinander eingerammten Buchenstämmen, die dann mit einer dreifachen Querschicht dicker Balken bedeckt wurden. Dann wurde der Untergrund mit Lehm fest gestampft und die Zwischenräume mit Ziegelsteinen ausgemauert. Damit wurde das Aufteigen von Grundwasser verhindert, das ansonsten den Boden der Schleusenkammer aufgeschwämmt hätte. Pro Schleuse wurden so an die 1.600 Buchenstämme verbaut.

Die erste Holtenauer Eiderkanalschleuse

Wie man es heute noch beispielsweise bei der restaurierten Rathmannsdorfer Schleuse sehen kann, bestanden die Schleusen des Eiderkanals aus einer Haupt- und einer Nebenkammer, wobei die Hauptkammer an ihren beiden Enden jeweils durch zwei schwere Eichenholztore verschlossen werden konnte. Die Nebenkammer wurde auch “Freischleuse” genannt. Sie war schmaler als die Hauptkammer und diente der Regulierung des Wasserspiegels. Da es durch die Nebenkammer keinen Schiffsverkehr gab, konnte hier eine feste Holzbrücke mit gußeisernem Geländer installiert werden (Abb. 2).

Die Nebenkammern der Schleusen standen durch große Schotten, die in den Endmauern eingelassen waren, mit dem Kanal in Verbindung. Diese Schotten konnten mit Hilfe großer Schrauben von einem Mann aufgezogen werden, um den Wasserstand zu regulieren.

Die ebenfalls aus Eichenholz bestehenden Schleusentore der Hauptkammer drehten sich auf metallenen Zapfen in einer Metallkumme und wurden durch Handwinden bedient. Waren sie vollständig geöffnet, so saßen sie in dafür in den Kammerwänden vorgesehenen Nuten, so daß sie die in die Kammer einfahrenden Schiffe nicht behinderten und selber vor etwaiger Beschädigung geschützt waren. Im geschlossenen Zustand standen die Schleusentore winklig zueinanderum dem Wasserdruck besser widerstehen zu können.

Die alte Holtenauer Eiderkanalschleuse hat in ihrer Geschichte folglich drei recht unterschiedliche Bauzustände erlebt: ab 1792 als Zweikammerschleuse mit Klappbrücke; ab etwa 1825 mit fester Holzbalkenbrücke; während des Baus des Kaiser-Wilhelm-Kanals als Kesselschleuse wieder mit Klappbrücke.


Abb.: Lage von Eiderkanalschleusen und Kaiser-Wilhelm-Kanal (gepunktete Linie) mit Prahmdrehbrücke (3), die heutige Gravensteiner Straße (5).

Eine wichtige Rolle sollte die südliche der beiden Holtenauer Schleusen noch einmal beim Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals spielen, denn in den Jahren 1893 und 1894 wurde die alte Holtenauer Eiderkanalschleuse provisorisch wieder in Stand gesetzt und stark erweitert, so daß sie für den Schiffsverkehr benutzt werden konnte – auch nachdem die Friedrichschleuse bereits abgerissen worden war.

Die Friedrichsschleuse

Die so genannte “Friedrichschleuse” war der zweite Schleusenbau an dieser Stelle, da die erste Schleuse aus dem Jahre 1779 wegen des Eindringens von zu vielem Sickerwasser in den Jahren 1823(1821)–1825 unter der Leitung von Claus Hinrich von Christensen völlig neu erbaut werden mußte28. Dieser Neubau lag 70 Meter nördlich der alten Schleuse, die jedoch weiterhin in Betrieb blieb, so daß eine kleine Insel zwischen den beiden Schleusen entstand. Über die südliche Schleuse führte eine holländische Klappbrücke, wie sie noch heute auf dem Eiderkanalstück bei Kleinkönigsförde zu besichtigen ist. Über die nördliche Schleuse führte eine Drehbrücke. Die Friedrichschleuse war nach dem dänischen König Friedrich VI. benannt, der auch am Einweihungstag anwesend war.

"Die neue Schleuse, welche vom Ingenieur General. Christensen, vom Herbste des Jahres 1823 bis im Sommer 1825 erbauet ist und eine Brücke zum Drehen, damals ganz neuer Construction, erhielt, ist nicht allein nach dem König Friedrich VI. genannt, weil sie unter seiner Regierung erbauet ist, sondern auch, weil der König nach vollendetem Bau mit feiner ganzen Suite zuerst durch die Schleuse zu Fuße gegangen und darauf, nachdem er gefrühstückt, auf einem Schiffe mit Wimpel und Flagge, unter lautem Jubel des Volkes, durch dieselbe gefahren ist.
Während des Frühstückes waren nämlich die Dämme, welche zum Schutze gegen das Wasser geblieben waren, durchgestochen, die neue Schleuse hatte sich mit Wasser gefüllt und war dadurch mit dem S.-H. Canal in Verbindung gesetzt worden." (Wilhelm Hirschfeld: Wegweiser durch die Herzogthümer Schleswig und Holstein, für die Mitglieder der XI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe, Kiel 1847, S. 155f.)

Das in den Auwiesen gelegene Land für den Bau der Friedrichschleuse, auf dem auch sein Haus stand, gehörte Claus Sump, der dafür einen Bauplatz auf der Koppel Kohhagen erhielt. Ein Nachfahre von Claus Sump war Johann Sump. Dieser war norwegischer Konsul. Er rief eine Stiftung ins Leben, die zu Weihnachten Geld an Bedürftige verteilte. Nach ihm wurde die ehemalige “Hohe Straße” benannt.

Mit Hilfe der beiden Brücken über die Schleusen wurden dann auch die durch den Kanalbau durchschnittenen Nord-Süd-Verbindungen wieder hergestellt. In späterer Zeit erhielt die Holtenauer Schleuse eine Drehbrücke. Auf der östlichen Seite war am Schleusentor folgende Inschrift auf einer Marmortafel angebracht.

CHRISTIANI VII JUSSU ET SUMPTIBUS
MARE BALTICUM OCEANO
COMMISSUM MDCCLXXXII REGNO
ET PATRIAE MEAE SACRUM

Auf der durch die beiden Holtenauer Schleusen gebildeten Insel sollen zwei Häuser gestanden haben. In einem Haus wohnte der Schleusenwärter mit seiner Familie (1853 war Julius Ewers Holtenauer Schleusenwärter), in dem anderen Haus eine andere Familie.


Abb. 1: Die "Friedrichsschleuse" kurz vor dem Abriß.

Abb. 2: Historische Skizze.

Abb. 3: Rechts die Schleuseninsel.

Abb. 4: Rechts die Schleuseninsel.

Abb. 5: Der Gasthof "Friedrichsschleuse".


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