Entstehung und Geschichte Alt-Holtenaus ![]()
Historisch gesehen liegt Holtenau im Südosten des Dänischen Wohldes, der ursprünglich der dänischen Krone gehörte und 1260 an die Grafen von Schauenburg verpfändet wurde. Das bis zu diesem Zeitpunkt im Grunde unbesiedelte Waldgebiet wurde fortan von Deutschen besiedelt, die auch das spätere Dorf Holtenau gründeten.
Geografisch eingegrenzt wurde der Ort im Osten durch die Kieler Förde und im Westen durch das Flüßchen Levensau, der auf Höhe der alten Holtenauer Schleusen in die Kieler Förde mündete. Der Kern des Bauerndorfes befand sich zu dieser Zeit im Gebiet der heutigen Richthofenstraße auf der Höhe zwischen der Gravensteiner und der Apenrader Straße.
Es ist immer noch nicht geklärt, ob die in alten Urkunden zu findenden Bezeichnungen Olthena oder Altena den heutigen Stadtteil Kiel-Holtenau bezeichneten. Möglicherweise bezeichnet die Wortendung "a" das spätere Wort "au", denn nicht zuletzt zeigt der Name Levensau, daß aus dem nordischen stammende Bezeichnungen durchaus in Gebrauch waren. Auf einer Karte aus dem 15. Jahrhundert wird der Ort Oltna genannt, Auf einer Karte von 1652 wird der Ort Holtenah und auch auf einem Dokument von 1791 wird der Ort von Holtena genannt. Seit dem 15. Jahrhundert jedoch finden sich sichere Informationen über das Bauerdorf Holtenau.
Zuerst waren die Holtenauer Untertanen der Gutsherren von Knoop bis sie ab 1570 als Leibeigene dem Gut Seekamp zugehörten. Das Gut Seekamp errichtete im 17. Jahrhundert am Ort der heutigen Dankeskirche einen Meierhof, der jedoch nur wenige Jahrzehnte später wieder aufgegeben und nach Stift verlegt wurde. Die großen Güter in der Nähe der aufstrebenden Städte wurden immer stärker zu deren Versorgung benötigt, was nach andere Wirtschaftsformen in der Landwirtschaft verlangte.
Die Leibeigenschaft bedeutete für die Holtenauer Bauern nicht nur, daß sie einen großen Teil ihrer Arbeitkraft dem Gutherren zur Verfügung zu stellen hatten, sondern darüber hinaus eine weitgehende Reglementierung des täglichen Lebens: So besaß der Gutsherr auf Seekamp auch die Gerichtsbarkeit über die Holtenauer. Gleichzeitig waren die Bauern an ihre "Scholle" gebunden, d. h. sie konnten ihrer Situation nicht durch Wegzug entrinnen. Anderseits war der Gutsherr aber auch zur Sorge für seine Leibeigenen verpflichtet, z. B. im Fall von Kriegen oder Naturkatastrophen.
Der 1895 fertiggestellte Kaiser-Wilhelm-Kanal
veränderte nicht nur das Gesicht Holtenaus fundamental, sondern
führte durch die Schaffung von neuen Behörden für den
Kanalbetrieb, den Zuzug von Händlern und Fachpersonal, der
Schaffung der notwendigen Infrastruktur zu einer neuen Bebauung, die den dörflichen
Charakter zurückdrängte. Zu dieser Zeit hatte Holtenau knapp
1100 Einwohner.
Der Bau des Kanals hing mit der Rolle Kiels als "Marinestation
Ostsee" des Kaiserreiches - und damit als wichtigster
Marinestützpunkt zusammen. Im Zuge der maritimen Ausrüstung
wurde die Kieler Förde durch eine Reihe von Festungsanlagen
geschützt. So wurde im Norden Des Dorfes das "Fort Holtenau" errichtet.
Der gesellschaftliche Leben in der Zeit zwischen dem Kanalbau und dem Ersten Weltkrieg war von einer großen - heute nur noch schwer vorstellbaren - Vielseitigkeit geprägt. So gab es eine ganze Reihe von Vereinen, Ausfluglokalen und Geschäften, die von der inzwischen stark angewachsenen Einwohnerschaft genutzt wurde.
Das Ende des Ersten Weltkrieges und der Zusammenbruch der Monarchie brachten auch den Abzug der Marine aus Kiel, das sich durch und mit der Kaiserlichen Marine zu einer Großstadt entwickelt hatte. Während die Stadt Kiel - oder auch Friedrichsort - stark unter dem Strukturwandel zu leiden hatten, war die Arbeitslosigkeit in Holtenau selbst relativ gering. Als Holtenau 1922 auf Betreiben des damaligen Gemeindevorstehers Wendenburg nach Kiel eingemeindet wurde, zählte man bereits über 3000 Einwohner.
In den zwanziger Jahren kam es auch zu einer fundamentalen Veränderung des Holtenauer Ortsbildes durch den vollständigen Abriß der Holtenauer Festungsanlagen (die dem Schutz der Festung Friedrichsort dienten) und dem Bau eines zivilen Flugplatzes. 1928 wurde der neue Zivilflughafen Kiel-Holtenau in Betrieb genommen.
Als Marinestandort gab es in Holtenau von 1934 bis 1945 ein erneutes Zwischenspiel und gleichzeitig wurde der Flugplatz Holtenau im Rahmen der Wiederaufrüstung zu seiner heutigen Größe ausgebaut. Aufgrund dessen verlor die Dankeskirche ihren ursprünglichen spitzen Kirchturm, der durch einen halb so hohen gedrungenen Turm ersetzt wurde, der im Zweiten Weltkrieg vielen Holtenauern Schutz bei Luftangriffen bot.
Während andere Stadtteile wie beispielsweise das Ostufer mit seinen ausggedehnten Werftanlagen und Arbeiterwohnvierteln stark durch den Bombenkrieg zerstört wurden, hielten sich die Schäden im Kieler Nordwesten und damit auch in Holtenau in Grenzen. Es gab nur wenige direkte Angriffe auf den Flugplatz und die Schleusenanlagen. Kriegsentscheidender aus Sicht der Alliierten waren dageben die Walterwerke (Uboot-Bau, Raketentechnik) in Tannenberg auf der Südseite des Kanals.
Aufgrund der verhältnismäßig geringen Zerstörungen wurden in Holtenau sehr viele Flüchtlinge (später auch Heimatvertriebene) einquartiert, von denen in den letzten Kriegswochen hunderttausende aus dem Osten evakuiert worden waren. So fand sich Holtenau bei Kriegsende mit einer nahezu verdoppelten Bevölkerung wieder.