Zum Schicksal der Stadtteilbücherei Holtenau

Der folgende Text stammt aus dem Jahr 2004:

Noch in der letzten Ausgabe des Anzeigenblattes "Kiel-Nord" fand sich ein positiver Bericht über die Stadtteilbücherei Holtenau. Trotz ihrer geringen Größe finden hier jährlich über 40.000 Ausleihen statt, wobei es sich zu zwei Dritteln um Bücher handelt. Von den 16.000 vorhandenen Büchern sind 6.000 für das jüngere Publikum gedacht. Kinder und Jugendliche sind die Hauptnutzer dieser Bücherei - auf sie gehen 62% der Ausleihen.

"Führungen für Schulklassen und andere Interessierte sowie kurze Lektionen zum Umgang mit dem Internet ergänzen das Angebot der Bücherei, die aus dem Kulturellen Leben in Holtenau nicht mehr wegzudenken ist."

Leider erscheint die Zukunft der Holtenauer Stadtteilbücherei mittlerweile keinesfalls gesichert, denn sie läuft Gefahr das Opfer allgemeiner Sparzwänge zu werden. Leider betrachtet ein großer Teil der politischen Klasse Kultur und Bildung immer noch als weiche Standortfaktoren, so als hätte es die PISA-Studie niemals gegeben. Wenn es darum geht, schon in frühen Kindesalter gezielt zu fördern, dann darf die Existenz einer Stadtteilbücherei nicht in Frage gestellt werden.

Das Heranführen an das Kulturgut "Buch" im frühen Kindesalter bedeutet zudem, daß es eine räumliche Nähe zu ihren Benutzern geben muß -- einen besseren Standort als direkt an der Holtenauer Grundschule kann es hier nicht geben. Und alle Alternativen, wie die Büchereien in Friedrichsort oder gar der Wik, bedeuten aufgrund der Insellage Holtenaus von vorneherein, daß viele der jüngsten Leser nicht mehr in den Genuß einer solchen Einrichtung kommen werden. Auch ein Büchereibus, wie er auf dem Lande mangels Alternative durchaus sinnvoll sein mag, ist doch -- gerade was das Heranführen an das Buch geht -- kein vollwertiger Ersatz. Neben dem Zeitfaktor spielt hier auch die geringe Auswahl an Büchern eine Rolle, denn als junger "Leser" muß man Bücher in die Hand nehmen -- begreifen -- können, muß Zeit zum Schmökern und zum Stöbern haben.

Möglicherweise mag die Zahl der Ausleihen pro Bewohner in anderen Stadtteilbüchereien aufgrund unterschiedlicher Faktoren wie beispielsweise der Dichte der Bebauung größer sein, interessant wäre aber auch ein Vergleich, wenn es nur um ausgeliehene Bücher -- nicht aber um CDs oder Videos geht.

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